Wie war es früher? Antiquarische Gartenbücher für Kinder #GartenKinder

Ich kann mich noch gut an mein Kindergartenbuch erinnern, das ich auch heute noch im Regal stehen habe. Es hatte in mir mit seinen klassischen Anleitungen immer wieder die Neugierde aufs eigene Gärtnern geweckt. Drei antiquarische Gartenbücher für Kinder aus den 1980er Jahren möchte ich gerne Ihnen heute vorstellen. Vielleicht kennen Sie das eine oder andere:

Elisabeth Manke: Alle meine Pflanzen. Gartenbuch für Kinder
Foto: W. Bönisch

Elisabeth Manke: Alle meine Pflanzen. Gartenbuch für Kinder

Dieses Gartenbuch ist das oben erwähnte, was mich in meiner Kindheit inspiriert und begleitet hat. Vielen wird es wohl unbekannt sein, weil es 1985 das erste Mal im Verlag für die Frau, DDR, erschienen ist. Im quadratischen gebundenen Format hat es genau die richtige Größe für Kinderhände. Es ist absolut umfassend von den Zimmerpflanzen, über Experimente mit Pflanzen, die vor allem das Heranzüchten aus eigenem Samen betrifft, über Balkonpflanzen bis zum Gärtnern im Garten mit Blumen-, Kräuter- und Gemüsebeet. Zum Schluß gibt es auch Kapitel zum Schutz der tierischen Mitbewohner und die obligatorischen Basteltips. Es ist ein wahres Kompendium, denn es enthält alle wichtigen Grundlagen des Gärtnerns in gut zusammenfassenden Texten.
Elisabeth Manke: Alle meine Pflanzen. Gartenbuch für Kinder
Foto: W. Bönisch
Auf Schnörkeleien wurde damals verzichtet, Manke kommt gleich zum Punkt. Hier werden Wissen und Informationen in Anleitungen den Kindern in einem reifen, ja fast Erwachsenen Ton gegeben. Die Kinder werden absolut ernst genommen: sie dürfen selbst nach den Informationen die Pflanzen auswählen, sind aber auch eigenverantwortlich fürs Pflegen. Man findet kaum ein Satz im Sinne "laß Dir von einem Erwachsenen helfen". Klar, strukturiert, ja fast nüchtern ist der Aufbau. Genau dies hat mich als Kind beeindruckt. Ich werde hier ernst genommen wie die Großen. Dazu gibt es viele, viele Steckbriefe und sehr gute farbige Zeichnungen der Pflanzen, die so botanisch korrekt und klar dargestellt sind, daß man jede Pflanze sofort in der Natur wiedererkennt. So ein Gartenbuch ist zeitlos und wird auch noch meine Kinder begeistern.

Elisabeth Manke: Alle meine Pflanzen. Gartenbuch für Kinder, Verlag für die Frau, DDR 1988,152 Seiten.
Christina Björk: Linnéa und die schnellste Bohne der Stadt. Wir pflanzen Kerne, Samen und Früchte
Foto: W. Bönisch

Christina Björk: Linnéa und die schnellste Bohne der Stadt. Wir pflanzen Kerne, Samen und Früchte

Spannend ist der Vergleich zwischen dem DDR-Gartenbuch für Kinder und dem schwedischen, im Münchner Random House Verlag erschienen Gartenbuch von Christina Björk "Linnéa und die schnellste Bohne der Stadt. Wir pflanzen Kerne, Samen und Früchte" zu sehen. Anders als Bei Manke verwebt Björk die Sachinformationen mit der Figur der Linnéa.
Christina Björk: Linnéa und die schnellste Bohne der Stadt. Wir pflanzen Kerne, Samen und Früchte
Foto: W. Bönisch
Sie dient als Identifikation und leitet die Kinder durch das Buch. In Ich-Form geschrieben erklärt sie, wie sie ihre Zimmerpflanzen hegt und vermehrt, wie Photosynthese funktioniert, den Kreislauf des Wassers, gibt Tricks zur Pflanzenvermehrung, erklärt die Schädlinge und ihre Bekämpfung. Da Linnéa in der Stadt wohnt, steht ihr nur das Fensterbrett zum Gärtnern zur Verfügung. Doch es reicht zum Aussäen von Kresse uvm. Ausführlichere Pflanzenporträts gibt es nicht. Vielmehr geht es um das Aussäen eigener Pflanzensamen, die man in der Küche beispielsweise findet. Lena Anderson hat mit Bleistiftzeichnungen das Buch illustriert. In kleinen Szenen zeigt sie Linnéa beim Gärtnern, gibt Schaubilder wider.

Christina Björk: Linnéa und die schnellste Bohne der Stadt. Wir pflanzen Kerne, Samen und Früchte, Bertelsmann Verlag, München 1980
Wolfgang de Haen: Bei uns im Garten
Foto: W. Bönisch

Wolfgang de Haen: Bei uns im Garten

Völlig anders hat Wolfgang de Haen sein Pappbilderbuch "Bei uns im Garten" konzipiert. Es ist ein Wimmelbuch. Er zeigt den Garten einer Familie im Jahreskreislauf. Über die vier Jahreszeiten stellt er die Gartenarbeit vor. Zunächst gibt es eine größere Perspektive mit Arbeit in diesen Monaten, dann einen Ausschnitt, wozu der Garten noch dient. Als Ort für ein großes Sommerfest, zu dem die Nachbarn eingeladen sind, wie im Frühjahr ausgesät wird, die reiche Ernte im Gemüsegarten mit einer Bildaufführung der wichtigsten Gemüsesorten und Beeren. Einen kurzen, ein-, zweizeiligen Text gibt es dazu, jedoch können sich die Kinder allein durch das Betrachten der Bilder fast alles erschließen.
Wolfgang de Haen: Bei uns im Garten
Foto: W. Bönisch
Man sieht das Familienleben im Garten, die tierischen Gartenbewohner, das Wachsen und Gedeihen. Eher erdene Farbtöne nutzte Wolfgang de Haen. Ein Gartenwimmelbuch, das auch heute noch viel Informatives zeigt und unterhaltsam beim Anschauen ist.

Wolfgang de Haen: Bei uns im Garten, Ravensburger Verlag, Ravensburg 1984, Pappbilderbuch, 14 Seiten.

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