Blog des Don Bosco Verlages Hier der Karnevalsumzug, dort die Vogelhochzeit: Regionale Bräuche faszinieren mich und ich freue mich, wenn schon in Kita und Grundschule Kinder die Bräuche pflegen. Denn sie wirken integrierend, bieten viel Raum für Kreativität und schaffen die Wurzeln, damit die Kinder später fliegen können. Für den pädagogischen Fachverlag habe ich in ihrem Blog einen Artikel zu diesem Thema veröffentlicht und würde mich freuen, wenn Sie ihn hübendrüben lesen würden. Link zum Blogartikel: https://www.donbosco-medien.de/die-vogelhochzeit-lokale-braeuche-und-regionale-traditionen-im-kindergarten/b-32/3194
Kinder brauchen Gärten
Wenn ich das Stichwort "Garten und Kinder" Ihnen jetzt zurufe, was fällt Ihnen spontan ein? Bei mir waren es Natur, Freiheit, Pflanzen, Entdecken, Abenteuer, Ernten, eigenes Beet, Blumen, Sammeln, Bewegung, Sonne, Sommer, Glück.Meine Eltern hatten, solange ich mich erinnern kann, schon immer einen Garten gehabt. Dort habe ich gebuddelt, mit meinem Ziehlaster Erde herumgefahren, gematscht, hin und wieder mal etwas ausgesät, Erdbeeren genascht, stolz gewesen, die Wiese mit einer Sense mähen zu können oder viele Kartoffeln zu ernten (das war körperlich wirklich anstregend) und war eben ganz viel draußen an der frischen Luft. Meine Gartenerinnerungen sind schön.
Kinder brauchen Gärten. Der größere Teil der Kinder wächst heute im urbanen Umfeld auf. Das Draußen-Sein in der Natur ist daher auf wenige Orte beschränkt: den Park, den Stadtwald oder eben der Garten, im besten im Hinterhof, die leider aber immer mehr zu Parkflächen für Autos umgestaltet werden, oder im Kindergarten- oder Schulgarten. Hier erfahren und erleben Kinder die Natur, Pflanzen, Tiere, Luft, Klima. Hier gibt es Raum für Bewegungen, für Entdeckungen, für ihre Abenteuerspiele, für ihre Fantasie. Der Garten ist einer der wenigen Orte mit Naturkontakt und -erfahrung für Kinder.
Natur erleben mit allen Sinnen
Der Aufenthalt im Garten bedeutet für die Kinder ein Naturerlebnis mit allen Sinnen. Ganzheitlich mit Körper, Geist und Seele erfahren sie Natur. Sie bewegen sich vielseitig im Garten: sie hüpfen, springen, laufen, hocken, kriechen durch Gebüsche, zupfen in der Erde. So eine Stunde im Garten ist in der Körperbewegung vielseitiger und intensiver als so manche Turnstunde. Dabei geht es nicht um die maximale Verausgabung körperlicher Kräfte. Nein, vielmehr steht die fließende und geschmeidige Bewegung in verschiedenen Bewegungsformen des gesamten Körpers im Mittelpunkt. Und dies geschieht völlig unmittelbar, nach eigenem Gefühl des Kindes, ohne Vorgaben, also eigentlich intrinsisch, was im Sinne der Kindentwicklung immer das Beste ist.
Neben der Bewegung ist das Erspüren ein weiterer wichtige Sinneserfahrung. Das Kind spürt den Wind, der um seinen Körper streift, atmet die Luft ein (ist sie kalt? warm? feucht? trocken?), spürt die Sonnenstrahlen auf der Haut oder den aufplatschenden Regentropfen, be- und er-greift mit den Händen Blätter, zupft Blumen, wühlt mit den Händen in der Erde, faßt einen Regenwurm an, erspürt die Formen der Erbse, der Möhre, der Himbeeren. Das taktile Wahrnehmen wird gestärkt, die Feinmotorik beispielsweise beim Aussäen wird gefördert - und wieder völlig frei und nebenbei ohne großaufgebaute Förderprojekte.
Mit seinen fünf Sinnen erlebt das Kind den Garten vielseitig: die Ohren hören Vögel zwitschern, Bienen und Hummeln brummeln, das Rauschen der Blätter; die Augen sehen viel Grün (entspannend), überhaupt zahlreiche Farben und Farbnuancen, wechseln zwischen Nah- und Fernsicht mit natürlichem Licht (gut für die Augenentwicklung); die Nase riecht den Duft der Rosen im Sommer, die frische Erde aus dem Komposthaufen, den anziehenden Regen; die Finger ertasten Steine, weiche und harte Blätter, das Geriffelte der Erdbeeren durch die außenliegenden Samen oder merken das Brennen der Brennessel; die Zunge schmeckt die Süße der Beeren, den Maisgeschmack der Vogelmiere, die Süße der Zuckerschoten. Alle Sinne wirken unmittelbar zusammen.
Natur nutzen
Ganz klar, mit einem eigenen Kinderbeet merken Kinder schnell, wie sie Natur nutzen können. Sie säen Radieschensamen aus, sehen sie keimen, die Pflänzchen wachsen und können nach vier Wochen eigene Radieschen ernten. Sie naschen von den Beerensträuchern. So lernen sie schnell, woher die Lebensmittel kommen, wie sie unverarbeitet aussehen, welche Arbeit und Zeit in der Herstellung steckt, wie sie weiterverarbeitet werden müssen, damit sie gegessen werden können (rohe Kartoffeln sind giftig, sie müssen zum Essen erst gekocht werden). Sie lernen die Techniken und Gerätschaften kennen, ihre Handhabung und Nutzung.![]() |
Den Garten genießen. Foto: Jenny Frankzen, pixabay.com |
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