Über erste Gartenerfahrung, Freiheit und Gartenprojekte mit Kindern: Interview mit Biologin und Sachbuchautorin Bärbel Oftring #GartenKinder

Biologin und Sachbuchautorin Bärbel Oftring. Foto: Hannah Bühler
Biologin und Sachbuchautorin Bärbel Oftring. Foto: Hannah Bühler
Bärbel Oftring ist Biologin und Sachbuchautorin und hat schon zahlreiche wunderbare Natursachbücher für Kinder geschrieben, die praxisnah sind und den Kindern Lust auf die Natur, aufs eigene Entdecken machen. Ich war neugierig auf die Sicht und das Wissen einer erfahrenen Kennerin der Materie zum Thema Garten und Kinder ist, wie sie Bärbel Oftring hat. Deswegen freue ich mich sehr, sie interviewen zu können.

Als Biologin und Sachbuchautorin haben Sie schon zahlreiche Kindersachbücher über Natur und Garten publiziert. Was war eigentlich Ihre erste Gartenerfahrung?
Im Garten meiner Oma wuchs alles wie im Paradies. Da gab es Bohnen an langen Stangen, Erbsen, Rote Bete, Möhren, Kohlräbchen und Kräuter. Doch am liebsten war ich im Obstgarten: Da stand ein großer Mirabellenbaum, ein Süß- und ein Sauerkirschbaum und jede Menge Beerensträucher, rote und schwarze Johannisbeeren, Himbeeren und vor allem Stachelbeeren. Ich half nicht so besonders gern beim Beerenpflücken, denn die Büsche trugen dichte Blätter – aber beim Entsaften, Gelee- und Marmelade kochen war ich gern dabei. Dann ließ meine Oma in der Küche die hölzernen Außenjalousien herunter und klappte sie so nach außen wie in Italien. Es war heiß und Wespen umschwirrten uns, denn damals war der Sommer noch ein richtiger.

Warum brauchen Kinder den Garten?
Als ich Kind war, verbrachte ich den Nachmittag nach den Hausaufgaben draußen in der Natur. Meine Eltern wussten nicht, wo ich bin und was ich mache – zum Abendessen musste ich dann wieder zuhause sein. Heute ist für die Kinder so ein freies Sein in der Natur kaum noch möglich – wegen dem Autoverkehr sind viele Strecken für Kinder unter 10 Jahren nicht allein machbar, zudem stehen sie dank Handy oft permanent unter Kontrolle. In einem Garten können sich Kinder wenigstens ein bisschen frei bewegen und wenn man ihnen einen Bereich einrichtet, der nicht einsehbar ist und in dem man vielleicht einen großen Erdhaufen von der Baustelle übriglässt, können sich Kinder dort austoben – und zwar das ganze Jahr über. So nehmen Kinder wahr, was im Jahreslauf geschieht, erfahren Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Gibt man dem Kind ein eigenes Beet, so lernt es Verantwortung für ein Stück Land zu übernehmen. Sie können in der Erde wühlen und sich so erden und vielleicht gibt es ja schon erste Erfolge bei der Ernte von Selbstangebautem.


Was sollte ein gutes Gartenbuch für Kinder ausmachen?
Es darf auf keinen Fall so daherkommen wie Schule oder trocken belehren, sondern Lust aufs Raus-in-den-Garten-gehen machen. Das tun ja viele der erhältlichen Gartenbücher für Kinder und Familien. Kinder möchten gern mit ihren Sinnen erfahren – drum sollte man diese Sinne auch ansprechen, durch leicht umzusetzende Ideen zu essbaren Pflanzen wie Himbeeren oder schmackhaften Blüten verschiedener Kräuter, duftenden oder stinkenden Pflanzen, Chinaschilf, der im Wind raschelt, oder zu weichen, stacheligen oder merkwürdig anzufassenden Pflanzen wie das Federgras. Sonnenblumen begeistern, weil sie rasch so groß werden.



Wie kann man Kinder für das Gärtnern begeistern?
Indem man sie teilnehmen lässt, wenn man selbst im Garten tätig ist. Und Pflanzen anbaut, die rasch geerntet werden können wie zum Beispiel Erdbeeren oder Radieschen. Kinder, die noch keine zehn, elf oder zwölf Jahre alt sind, muss man bei der Arbeit im Kinderbeet unterstützen, mal gießen oder unerwünschte Wildkräuter eindämmen – das müssen die Kinder ja nicht unbedingt mitbekommen, sonst wirkt das eher demotivierend.

Wie schätzen Sie die Themenbehandlung Garten im Kindergarten- und Schulalltag ein?
Bisher war Garten und Gärtnern kaum ein Thema für Kindergarten und Schule, das fand, wenn überhaupt, vor allem zuhause statt. Doch zum Glück erfahren Schulgärten gerade eine kleine Renaissance und es entstehen an immer mehr Schulen Schulgärten, die oft von einer Garten-AG und ehrenamtlichen Helfern betreut werden. Das ist nötig, denn die Pflanzen in einem Garten brauchen (in heißen, trockenen Phasen) täglich oder zumindest mehrmals in der Woche pflegerisches Tun wie Gießen. Da es heute nicht mehr so wie in meiner Kindheit zur üblichen Erfahrung der Kinder gehört, wie man Pflanzen anbaut und woher die Lebensmittel kommen, halte ich das Thema Garten und Gärtnern für ein wichtiges Schulthema.


Welche Gartenprojekte lassen sich mit Kindern ohne große Hindernisse verwirklichen?

Da gibt es viele, die auch in Töpfen auf dem Balkon funktionieren: Erdbeeren pflanzen und ernten, Kartoffeln im Sack anbauen, Radieschen aussäen, Tomaten großziehen und gemeinsam ein Regendach für die Tomaten aus einem alten Regenschirm basteln, einjährige Sommerblumen und Sonnenblumen aussäen, Insektenhotel für Rote Mauerbiene aus Bambushalmen basteln, ein Tipi aus Weidenruten bauen und mit Kapuzinerkresse begrünen.

Sie haben wunderbare Ideen und Anregungen mit uns jetzt geteilt. Ganz herzlichen Dank dafür, Frau Oftring. 

Bärbel Oftring im Netz und ihre Bücher. Alle Bücher sind im Buchhandel erhältlich:
Zuletzt als Kindergartenbuch erschienen: Mein erstes Unterwegs in meinem Garten, Kosmos Verlag, Stuttgart 2014


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