Literaturempfehlungen Leseförderung #Lesefreude

Nimm ein Buch, mach es auf: Du kommst auf was drauf.
Lass es sein, mach es zu: Es gibt keine ruh.
So ist das eben: Die Bücher leben
(Wolf Harranth, aus: Hans-Joachim Gelberg (Hrsg.): Überall und neben dir. Beltz & Gelberg, Weinheim & Basel 1986)

Sach- und Praxisbücher zu Sprache, Lesen, Schreiben, kreative Leseförderung vom Krippenkind bis zum Jugendlichen füllen fast schon Regale. Meine persönliche Auswahl stelle ich hier in Kurzempfehlungen vor. Nehmen Sie sie bitte als Anregung, als Sprungbrett für weitere Entdeckungen. Denn Vollständigkeit gibt es nur im Himmel, nie im irdischen Leben!
Die bibliographischen Angaben sind auf Amazon verlinkt. Mit einem Kauf unterstützen Sie meinen Blog. Natürlich können Sie die Bücher auch über den örtlichen Buchhandel erwerben.


Katrin Müller-Walde: Warum Jungen nicht mehr lesen und wie wir das ändern können. Mit 50 Lesetipps von Jungs für Jungs, Campus Verlag, Frankfurt am Main 2005
Die Journalistin Katrin Müller-Walde veröffentlichte vor mehr als 10 Jahren ein Sachbuch, in dem sie ausgelöst durch ihren eigenen Sohn und seinem Leseweg der Frage nachgeht, warum Jungs weniger und ausgewähltes lesen. Müller-Walde möchte interessierte Eltern, Großeltern, Pädagogen erreichen. Entsprechend ist der Duktus des Buches: im populären Ton, mal sachlich, mal persönliche Gedanken und Erfahrungen einbringend, sehr stringent, punktgenau, wissensvermittelnd. Müller-Walde geht der Frage nach, was Lesen bewirkt, wie es physiologisch abläuft, welche biologischen Unterschiede es zwischen Mädchen und Jungen gibt, was Lesen mit Bildung und gesellschaftlicher Stellung zu tun hat. Bei ihren Recherchen befragte sie gemeinsam mit zwei Forschungsinstitute und zwei Redakteuren 2000 Schüler zu ihren Leseerfahrungen und -empfehlungen. Die Ergebnisse flossen in ihre Aussagen ein und bilden den Grundstock für die Lesetips.





Katrin Zboralski: Kreative Sprachförderung nach Montessori, Verlag Herde, Freiburg im Breisgau 2013
Katrin Zboralski ist Montessori-Lehrerin und Ausbilderin für das Montessori-Pädagogikstudium. In ihrem Praxisbuch zeigt sie aus dem Alltag auf, wie Kinder sich mit Sprache, Erzählen, Schreiben und Lesen in der Montessori-Schule beschäftigen. In den weiteren Kapiteln gibt sie Praxistips zum Spracherwerb, Sprachvielfalt, Vorlesen, Lesen und Schreiben in einer Montessori-Schule.
Die Beispiele sind alltagstauglich und können gut adaptiert werden. Die Abbildungen unterstreichen die Aussagekraft der Praxisbeispiele. Anregend, völlig neue Blickwinkel eröffnen diese Beispiele auf den inneren Antrieb des Kindes, sich die Welt der Schriftsprache zu erwerben. Konsequent wird hier vom Kind her gedacht, wobei im Hintergrund der Lehrer den Kindern als Ansprechpartner, als emotionale Stütze, als Kontrolle, als Wegweiser dient. Das Buch ist eine wahre Inspirationsquelle, auch für die pädagogische Arbeit der Leseförderung.




Susanne Brandt: Im Kindergarten Bilderbücher erleben. Anregungen und Vorschläge, Verlag Ernst Kaufmann, Lahr 2005
Kurze Geschichten öffnen die Tür zu Freude, Spiel, Kreativität, Singeslust. Susanne Brandt hat 17 kurze Geschichten bzw. Auszüge bekannter Autoren wie Astrid Lindgren, Sven Nordqvist, Helme Heine, Janosch, Nele Moost, aber auch weniger bekannter und eigene ausgesucht und sie als Ausgangspunkt für wahre kreative Türöffner der Bücherwelt im Kindergarten gesetzt.
Jede Geschichte hat eine Seite Platz. Dann folgen Bewegungs- oder Fingerspiele, Lieder, Basteltips. Es ist ein wahres Feuerwerk, sich der Geschichte mit allen Sinnen zu nähern. Die Praxisbeispiele sind einfach umsetzen, gut geschildert. Sie regen zu eigenen Ideen an. Brandt hat die Geschichten unter die Mottos Freundschaft, Durch das Jahr und Spielräume der Fantasie gesetzt. Vorlesen, Bücher selber gestalten stehen immer im Vordergrund.





Heike Tenta: Literacy in der Kita. Ideen & Spiele rund um Sprache & Schrift, Don Bosco, München 2007
Literacy ist mehr als Leseförderung. Bei diesem Begriff geht es generell um Sprache und Schrift im Alltag, das Erkennen, Wiedergeben, eigenständige, aktive Umsetzen. Heike Tenta stellt in diesem Anwendungsbuch zahlreiche Kreativangebote für Erzieher vor, Literacy im Alltag aufzunehmen, mit den Kindern zu erforschen. Die Palette reicht vom Hören, Sprechen, Entdecken von Schriftzeichen im Alltag, Decodierung bis zu aktiver Umsetzung.







Mechthild Dörfler: Beziehung als Schlüssel zur Sprache. Grundlagen einer sprachsensiblen Bildungsarbeit in der Kita, Klett, Kallmeyer Verlag, Seelze 2015
Wie geht ein Erzieher mit den Anforderungen im Kindergartenalltag um, wenn in seiner Gruppe mehrsprachig aufwachsende Kinder sind, die Deutsch nur schlecht verstehen und sprechen? Wie kommuniziert er mit Kindern, die eine Verzögerung in der Sprachentwicklung aufweisen? Dieses Praxisbuch gibt Pädagogen reflektierte, wissenschaftlich fundierte Hilfestellungen.
Es zeigt auf, wie empathisch Erzieher auf diese Thematik eingehen können. Als Hauptteil steht das Erzählen, das Vorlesen, das Betrachten von Bilderbüchern im Vordergrund. Zahlreiche Anwendungen werden vorgestellt. Das Kind und die Beziehung zwischen Erzieher und Kind stehen dabei immer im Mittelpunkt. Den Abschluß findet das Buch in Überlegungen zu Reflexionen im Erzieherteam. Mechthild Dörfler versteht es, ihr Buch mit einem gut verständlichen Sprachstil einfach zugänglich zu machen.






Helga Gruschka, Susanne Brandt: Mein Kamishibai. Das Praxisbuch zum Erzähltheater, Don Bosco Verlag, München 2012
Großformatige Bilder, die in einer portablen Holzbühne stecken, werden als Illustrationsmittel während der Erzählung eingesetzt. Das ist Kamishibai, das Papiertheater aus Japan. Dieses Praxisbuch gut eine gründliche, gut lesbare, kreative Anleitung zum Einsatz des Kamishibais von der Krippe bis in die Grundschule.
Helga Gruschka und Susanne Brandt sind erfahrene Kamishibai-Erzählerinnen. Gut gegliedert zeigen sie dem Leser, wie Kamishibai funktioniert, nehmen Angst vor dem Aufführen, geben praktische Handreichungen und zeigen, daß das Kamishibai nicht nur für Prosa, sondern auch für Sachtexte eingesetzt werden kann. Absolut zu empfehlen.






Melanie Friedrich: Handbuch Vorlesen, BoD, Ravensburg 2014
Wie funktioniert das ehrenamtliche Vorlesen vor einer Kindergartengruppe? Welche Bücher wählt man aus? Wie bringt man dazu, daß die Kinder still sitzen? Muß man Bastelideen zu den Büchern
den Kindern anbieten? Welche Hilfsmittel gibt es zum Vorlesen?
Mit der Vorbereitung, der Organisation, dem technischen Equipment, dem Umgang mit den Kindern, dem Ablauf bis zu rechtlichen Fragen beschäftigt sich Melanie Friedrich in ihrem Praxisbuch. Dieses Buch ist ein Grundlagenwerk für alle ehrenamtlich engagierten Vorleser.






Jutta Bläsius: Sprachspiele aus dem Pappkarton. Mit Alltagsgegenständen Wortschatz erweitern und Sprachanlässe schaffen, Don Bosco Verlag, München 2010
Welche Sprachspiele lassen sich mit Löffeln kreieren? Was hat ein Kreisspiel mit Alltagsgegenständen und Sprache zu tun? Jutta Bläsius hat ihr Praxisbuch mit kreativen Ideen vollgepackt, die zeigen, wie Dosen, Kartons und Gegenstände Sprachentwicklung, Erzählen und erstes Lesen positiv beeinflüssen können. Die Ideen sind mehr für ältere Kindergartenkinder, Vorschüler geeignet.. Nur wenige Materialien braucht man meistens. Die Vorbereitung ist auch kurz.






Michael Sahr: Leseförderung durch Kinderliteratur. Märchen, Bilder- und Kinderbücher im Unterricht der Grundschule, Schneider Verlag Hohengehren, Baltmannsweiler 2009
Wie können Bilderbücher und Märchen im Deutschunterricht der Grundschule eingesetzt werden, die die Lesefreude steigern? Wie sieht die Gestaltung des Unterrichts aus? Anhand mehrerer Märchen- und Geschichtenbeispiele gibt Michael Sahr ein anschauliches, wissenschaftlich fundiertes Praxisbuch den Grundschullehrern an die Hand.






Timm Albers: Das Bilderbuch-Buch. Sprache, Kreativität und Emotionen in der Kita fördern, Beltz, Weinheim und Basel 2015
Wie setzt man Bilderbücher zur Sprach- und Emotionenentwicklung im Kindergarten ein? Welche Bücher wählt man zu Spezialthemen aus? Wie bindet man Eltern ins Vorlesen ein? Timm Albers setzt wissenschaftliche Erkenntnisse in eine verständliche, praxiszugewandte Sprache um, zeigt Probleme und deren Lösungen anhand konkreter Bilderbücher auf. Immer wieder bindet er Vorschläge für Sprachspiele mit den Büchern ein.






Monika Plath, Karin Richter (Hrsg.): Literatur für Jungen, Literatur für Mädchen. Wege zur Lesemotivation in der Schule, Schneider Verlag Hohengehren, Baltmannsweiler 2010
Zum Thema geschlechterspezifische Leseinteressen und Rezeptionsmuster veranstaltete 2009 die Deutsche Akademie für Kinder- und Jugendliteratur eine Tagung, deren Ergebnisse in diesem Band festgehalten werden. In 11 Aufsätzen gehen die Referenten der Frage nach, welche Themen Mädchen oder Jungs bevorzugen, den Gründen dafür, wie das Lesen in Konkurrenz zu anderen Hobbies steht, welchen Einfluß das Elternhaus hat. Das Wissenschaftsbuch ist gut verständlich und beinhaltet viele empirische Belege.

Kommentare

Kommentar veröffentlichen