Ab 3 Jahre: Verena Carl - Bei Linus und Linda ist was los

Foto: W. Bönisch
Inhalt:
Linus und Linda sind Zwillinge. Sie haben einen kleinen Bruder, Mattis, der noch ein Baby ist. Da ist zuhause immer was los: Brötchen für Papa holen, Haarwaschmonster beim Baden, Nachtungeheuer auf dem Flur und Schattentiere, mit denen man wunderbar spielen kann. Abenteuer über alles im Alltag!

Foto: W. Bönisch

Meinung:
2016 publizierte Verena Carl im Esslinger Verlag ihr Vorlesebuch "Bei Linus und Linda ist was los". Mit ihren Zuhörern (ab 3 Jahre) taucht sie in den Familienalltag der Zwillinge Linus und Linda ein. Die beiden sind im Kindergartenalter und haben noch einen kleinen Bruder. Mattis, so sein Name, ist noch ein junges Baby, das, wie es eben so ist, seine Eltern auch hin und wieder auf Trab hält. Carl zeigt eine moderne Familie: Baby Mattis wird im Tuch getragen und schläft bei den Eltern mit im Bett, die Mutter stillt ihn, die Eltern arbeiten, auch mal von zuhause aus, die beiden größeren Kinder gehen in den Kindergarten, ein Babysitter soll helfen, daß die Eltern einmal einen freien Abend haben. In diesen Rahmen sind die 13 Geschichten eingebettet, mit denen Carl sie von den kleinen und großen Abenteuern im Alltag erzählt: wenn Linus und Linda zuhause die Kinderzimmerwand bemalen, weil sie im Kindergarten zuvor ebenfalls gemalt haben, von der Reaktion der Eltern, wie es ist, wenn die Mutter vom Spielplatz nach Hause will, die Zwillinge aber nicht, von den kleinen Schätzen, die die Zwillinge auf dem Spielplatz finden, von Schattentieren im Schlafzimmer, von nächtlichen Ungeheuern und wie die Familie dann im Wohnzimmer mit Matratzen, Decken und Kissen campiert, von vertauschten Brotdosen im Kindergarten, weil diesmal der Papa die Rucksäcke gepackt hatte. Jeder, die Kinder als Zuhörer, aber auch die Eltern als Vorleser, werden ihre eigenen Erlebnisse in den Geschichten wiederfinden. Carl gibt mit genauer Beobachtungsgabe heutiges Familienleben in alltäglichen Geschichten wider. Sie trifft die Gefühle und Gedanken aller Protagonisten haargenau. Man lacht mit, man ärgert sich mit, man ist gespannt, wie die Eltern eine allzubekannte Konfliktsituation lösen. Herrlich ist auch der typische Wechsel zwischen den beiden Eltern: die Mutter, die die meiste Zeit mit den Kindern verbringt, die Hauptlast der Erziehung verantwortet und öfters mal strenger ist, der Vater, der nach der Arbeit erst hinzustößt und dann meist nachsichtiger ist, jedoch beim Einspringen für die Mutter schnell an seine Grenzen stößt. Hier schmunzelt man als Vorleser klammheimlich sehr, denn läuft es nicht in den allermeisten Familien so? Ingesamt erinnern die Geschichten in der Art, wie Boris Pfeiffer sie in seinem Buch "Familie Pullunder sagt Gute Nacht" erzählt hat.
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Kurze Sätze prägen den Sprachstil von Verena Carl. Wortwiederholungen setzt sie bewußt für Gefühlsausdrücke der Kinder ein. Die Sprache orientiert sich an der Umgangssprache, komplizierte Sätze oder Wörter findet man nicht. Alles ist leicht verständlich.
Verena Carls Buch ist noch ein bißchen mehr. Es ist in der Reihe "Vorlesebären" von Esslinger erschienen, die unter dem Motto "Du liest vor und ich mache mit" steht. Der Verlag will mit seiner Reihe das Vorlesen interessanter machen und den Erwachsenen hier und da ein paar Hilfestellungen geben. Das fängt beim Konzept der Reihe an: In jeder Geschichte taucht der Vorlesebär an der Randspalte auf. Da stellt er eine Frage, dort eine Aufgabe. Als Vorlesender kann man sie einbinden und so in Interaktion, ins Gespräch mit dem Kind kommen. Vorlesen soll eben mehr als nur das Herunterrattern der Geschichte sein, es soll eine gemeinsame Zeit mit dem Kind sein, wo beide in das Buch abtauchen. Das erreicht man mit guten Geschichten und mit dem Gespräch. Der Verlag setzt diese Absicht mit weiteren kleinen Kniffen um: da gibt es am Anfang Tips zum Vorlesen oder das Inhaltsverzeichnis ist so mit einem Mottobild der jeweiligen Geschichte gestaltet, daß das Kind sich eine Geschichte aussuchen kann. Die Geschichten selber umfassen 3-4 Seiten, sind also in der Länge ideal oder für ungeübte Zuhörer geeignet.
Foto: W. Bönisch
Und was macht das Buch noch besonders? Natürlich die fröhlichen Bilder von Anna Karina Birkenstock. Sie fängt mit ihren Bildern die Geschichten bestens ein. Fröhlich, humorvoll, farbenfroh und immer realitätsnah-gegenständlich sind ihre Bilder. Schon die Coverszene ist bezeichnend, wenn man sieht wie Linda aus der Badewanne dem Papa einen nassen Waschlappen zuwirft, ihn am Kopf trifft. Der Papa wäscht den Mattis in einer Babybadewanne. Überall ist ganz viel Badeschaum zu sehen. Alle lachen und sind fröhlich beim Quatschmachen. Im Gegensatz zu ihren Kleinkindbüchern sind die Bilder im Stil erwachsener und doch kindgerecht. Sie hat den Ton der Geschichten genau getroffen.
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Das Vorlesen wird mit dem Kinderbuch "Bei Linus und Linda ist was los" von Verena Carl zu einem wahren Vergnügen. Die Geschichten der modernen Familie geben heutigen Alltag wider, bieten viel Wiedererkennung. Die farbenfrohen, fröhlichen Bilder von Anna Karina Birkenstock sind für die Kinder ein Augenschmaus und verraten so manches Mal, wie die Geschichte weitergeht, bevor der Vorleser an der Stelle ist. Rundherum ist das Buch gelungen und absolut zu empfehlen!
Verena Carl - Bei Linus und Linda ist was los
Esslinger Verlag, Stuttgart 2016
ISBN: 978-3480233076
Illustration: Anna Karina Birkenstock
Ausstattung: 48 Seiten, Hardcover
Preis: 9,99 €
Vom Verlag empfohlenes Lesealter: ab 3 Jahre

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