Praxisbeispiel: "Das Bücher-Detektiv-Spiel" von Brigitte Endres #lesefreude

Brigitte Endres hat viele Jahre als Grundschullehrerin gearbeitet, bis sie 2004 ihr erstes Kinderbuch veröffentlichte und sich seitdem als Kinderbuchautorin einen guten Namen gemacht hat. Ihre Kinderbücher sind unterhaltsam, lassen das Kind träumen und geben auch immer Stoff zum Nachdenken mit.
Brigitte Endres hat schon während ihrer Lehrertätigkeit sich der Leseförderung verschrieben, Praxisprojekte entwickelt und an Kollegen weitergegeben. Auch als Autorin stellt sie Begleitmaterial für die schulische Bearbeitung über alle Fächer hinweg für Lehrer zur Verfügung, beispielsweise beim Kinderbuch "Als Adolf in die Falle ging" oder bei "Das Mädchen auf der anderen Seite".

1. Was ist das Bücher-Detektiv-Spiel?
Das Bücher-Detektiv-Spiel geht auf das sog. Bookcrossing zurück.
Der Gedanke, ein Buch zu nummerieren, im Internet zu archivieren und es dann mit einer Ortsbeschreibung „freizulassen“, damit es vom nächsten Leser gefunden werden kann, stammt aus den USA. Seit 2001 hat sich das Konzept in über 130 Ländern verbreitet. (www.bookcrossing.com)

Mit dem Bücher-Detektiv-Spiel habe ich eine Variante des Bookcrossings entworfen, die sich gut in der Grundschule einsetzen lässt.
Das Bücher-Detektiv-Spiel ist für Grundschüler sehr motivierend, denn es vereint Abenteuer, Schatzsuche und Jagdfieber mit Lesespaß.
Sicher sind viele Kinder bereit, aus ihrem häuslichen Fundus gelesene Bücher beizusteuern. (Wobei eine gewisse Qualitätsauswahl in dem einen oder anderen Fall vielleicht nötig sein wird.)
Viele erwachsene Bookcrosser sind ambitionierte Leseratten und finden sich im Internet zu einem Austausch über die gelesenen Bücher zusammen. – Auch das ließe sich klassenübergreifend für interessierte Kinder bewerkstelligen, indem man z. B. einen Bücher-Detektive-Club gründet.


2. Effekte des Bücher-Detektiv-Spiels:


  • Lesen erhält einen Hauch von Abenteuer.
  • Der ‚Wert’ der BD-Bücher wird durch das Verstecken enorm gesteigert.
  • Die BD-Bücher sind Gemeineigentum – das fördert das Wir-Gefühl.
  • Ein Versteck muss sprachlich präzise beschrieben werde. – Denkfüchse schaffen das vielleicht sogar in einem Rätselgedicht.
  • Auch Lesemuffel werden eine ganze Weile versuchen, mitzuhalten.
  • Falls ein Bücher-Detektive-Club zustande kommt, gibt es Kontakte zu Kindern aus anderen Klassen und viel sprachliche Übung.

3. Zur Organisation:

Ganz ohne organisatorischen Aufwand lässt sich das Bücher-Detektiv-Spiel sicher nicht durchführen.

  • Zeitpunkt der Listeneinträge sollte ein fester Ort und Zeitpunkt (eventuell vor dem Unterricht oder in einer Pause sein).
  • Denkbar ist auch, die Freistunden von Lehrkräften zu nutzen, dann müssten Kinder, die sich eintragen wollen allerdings kurz ihren Unterricht verlassen.
  • Je mehr Klassen mitmachen, desto interessanter wird es und der Verwaltungsaufwand verteilt sich auf mehrere Lehrkräfte, die rotierend zur Verfügung stehen.
  • Es gibt ja auch wahre Perlen von Schul-Sekretärinnen, die so ein Projekt betreuen könnten.
  • Vielleicht können Eltern und Großeltern zur Mithilfe gewonnen werden.
  • Oft ist es auch möglich, besonders zuverlässige Schülerinnen und Schüler der vierten Klassen einzusetzen.

4. Und so geht’s:

  • Jedes Buch, das in Umlauf gebracht wird, bekommt zunächst eine BD-Nummer und einen Aufkleber, der es als ein Bücher-Detektiv-Buch identifiziert.
  • Das Buch wird in die Bücher-Detektiv-Bücherliste aufgenommen, damit die Bücher archiviert sind, und damit interessierte Kinder sich das Buch aussuchen können, das sie als nächstes lesen möchten.
  • Für jedes Buch wird eine Bücher-Detektiv-Versteckliste angelegt, die nicht öffentlich zugänglich ist, sondern nur Kindern zur Verfügung steht, die dieses bestimmte Buch ernsthaft lesen wollen.
  • Wenn das Buch gefunden wurde, meldet sich der Finder und trägt seinen Namen mit Datum in die Versteckliste ein.
  • Hat er das Buch ausgelesen, versteckt er das Buch wieder und gibt eine Beschreibung des Verstecks in der Versteckliste.
  • Wenn ein Kind ein Buch aus der BD-Bücherliste lesen möchte, fragt es, ob das Buch noch auf Tour ist oder ob es schon wieder versteckt ist, was mit einem Blick auf die Versteckliste schnell festgestellt werden kann.
  • Es lässt sich sicher nicht ganz verhindern, dass manche Kinder nur an der Jagd teilnehmen möchten, am Lesen aber weniger interessiert sind. Um das zu verhindern, kann man von ‚Leseratten’ einen kleinen Fragenkatalog zu den Büchern erstellen lassen, eine Art Leserallye, die im Verdachtsfall bestanden werden muss. – Examinatoren sollten auch wieder Schüler sein.
  • Für jedes gelesene Buch werden Detektiv-Punkte vergeben, die in den Bücherdetektiv-Ausweis geklebt werden. So hat jedes Kind am Ende des Jahres einen Überblick über seine Bücherjagd. Ggf. kann man besonders emsige Schüler auch mit einem kleinen Preis belohnen. (Der Bücherdetektiv-Ausweis ist aber kein zwingender Bestandteil des Spiels und kann – wenn sich die Organisation als zu schwierig erweist – auch weggelassen werden.)
  • Wichtig: unbedingt dem Hausmeister, den Putzfrauen!! und den Kollegen Bescheid sagen.
  • Zunächst könnte es in einer Erprobungszeit sinnvoll sein, mit zwei Parallelklassen zu beginnen.

Regeln für Verstecke:

  • Verstecke wählen, in denen die Bücher nicht beschädigt werden.
  • Keine ekligen Verstecke – Mülltonnen, Toiletten, keine WC-Räume.
  • Keine Verstecke im Freien.
  • Keine Verstecke, die beim Zugang gefährlich werden können.
  • Bücher nur in allgemein zugänglichen Räumen verstecken.

Beispiele denkbarer Verstecke:

  • In der Garderobe der Klasse 3a ganz oben rechts auf der Ablage.
  • Im Geräteraum hinter den Bällen.
  • In der Aula hinter dem Vitrinenschrank … usw.
Vorlagen zum Ausdrucken:

Kommentare

  1. Das ist ja eine tolle Idee. Ich kann mir gut vorstellen, dass die Kinder daran viel Spaß haben.

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