Ab 1 Jahr: Ingmar Wendland - Will aber! [Ajum.de]

Foto: W. Bönisch
Inhalt:
Wenn kleine Kinder ihren eigenen Willen entdecken... da will der Theo mit dem Laster spielen, obwohl Lina ihn hat. Oder Max will noch länger in der Wanne baden, obwohl er schon ganz schrumpelig ist. Da wird getobt, geheult, geschrien und am Ende gibt es ungewöhnliche Lösungen für die erste Auseinandersetzung mit den Gefühlen.


Meinung:
Trotzalter darf man heute nicht mehr sagen. Nein, es heißt gesellschaftspolitisch korrekt Autonomiephase. Ich nenne die Phase gerne Vulkanausbruch. Denn es ist völlig egal, wie man diesen Entwicklungsschritt benennt, wenn Kinder ab etwa 1,5 Jahren ihren eigenen Willen und ihre Handlungsfähigkeiten entdecken, sie miteinander koordinieren und dabei recht schnell an Grenzen stoßen, dann kochen die Emotionen schnell hoch (und manchmal sogar auf beiden Seiten). Dann merkt das Kind, hier geht etwas nicht so, wie ich es will. Dann wird geschrien, gestrampelt, ohrenbetäubend geheult. Der Vulkan ist ausgebrochen.
Foto: W. Bönisch
Genau diese ersten Auseinandersetzungen mit den eigenen Gefühlen und der Machbarkeit hat Ingmar Wendland in seinem Bilderbuch "Will aber!", 2015 im Coppenrath Verlag erschienen, auf frische, neue Art verarbeitet. Schon der Titel in seiner prägnanten Kürze weist sofort darauf hin, um was es geht. Es sind 6 kleine Geschichten aus dem Alltag, die die Kinder und ihre Erwachsenen selbst in dieser Zeit erlebt haben. Ein anderes Kind hat ein begehrtes Spielzeug. Das Kind will nicht aus der Badewanne oder nicht ins Bett. Wendland erzählt jeweils in Zweizeilenreimen die Geschichte, die über 4 Seiten sich erstreckt. Sofort kommt er auf das Problem zu sprechen, um dann gleich eine Lösung aufzuzeigen, die erfrischend abseits von traditionellen Bestrafungen besteht. Es sind kreative Lösungswege, die auch mal zeigen, warum das Kind es gerade so will. Es geht dabei nicht um Macht zwischen Erwachsenem und Kind. Nein, es geht um eine Lösung, die zum Ziel führt und dennoch das Kind in diesem wichtigen Entwicklungsschritt würdig wahr nimmt. Hier spürt man die Erneuerungen in der Pädagogik und seine eigene Erfahrung als Vater von drei Kindern. Mit seinen Geschichten zeigt er auch den vorlesenden Eltern, wie es auch anders ohne großes Geschrei von beiden Seiten geht.
Foto: W. Bönisch
Die Reime sind in ihrem Sprachduktus rhythmisch, wohlklingend und gut für die Zielgruppe greifbar, ohne in eine Babysprache zu verfallen. Sie machen einfach Freude vorzulesen.
Nina Dulleck hat die pointierten, warmen und in Retroart gehaltenen Illustrationen geschaffen. Sie verwendete viele Erdtöne für diese Stimmung, konzentrierte sich aufs Ereignis. Der Mittel- und Hintergrund wurde weggelassen. Stattdessen umrahmt jede Geschichte eine pastellfarbene Hintergrundfarbe.
Das Bilderbuch "Will aber!" von Ingmar Wendland zeigt typische Alltagssituationen von Kindern in der Autonomiephase, wenn sie von ihren wilden Gefühlen überrannt werden und welche Lösungen es für die Konflikte gibt. Das ganze Buch wird von der Sprache und von den Bildern in einer warmen, liebevollen Stimmng getragen. So macht es sehr viel Freude, es sich immer wieder anzuschauen.
Ingmar Wendland - Will aber!
Coppenrath Verlag, Münster 2015
ISBN: 9783-649-61989-5
Illustration: Nina Dulleck
Ausstattung: 26 Seiten, Pappbilderbuch
Preis: 7,95 €
Vom Verlag empfohlenes Lesealter: ab 18 Monate

Überall im Buchhandel erhältlich.

Kommentare

  1. Hallo,
    Ich habe auf facebook deinen link gesehen und bin ihm gleich gefolgt, schließlich liegen unsere Buch- und Bloginteressen offensichtlich sehr nahe beieinander. Obwohl das Buch für die ganz kleinen Leser gedacht ist, findet sich hier sicherlich auch meine 6 Jährige in manchen Situationen wieder. :/ Nina Dulleck gehört zu meinen Lieblingskinderbuchillustratorinnen, besonders Kinder und überhaupt Menschen zeichnet sie so herrlich verspielt und modern.
    Liebe Grüße, Anna

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