Ab 4 Jahre: Britta Teckentrup - Der Baum der Erinnerung [Buecherkinder.de]

Diese Rezension erschien zuerst im Rahmen meiner Redaktionsarbeit bei Buecherkinder.de 

Foto: W. Bönisch
Inhalt:
Alt ist der Fuchs geworden. Nun ist seine Zeit gekommen, er stirbt an seinem Lieblingsort. Seine Freunde, die Waldtiere, stehen an seinem Grab und erinnern sich eine ganze Nacht an ihn. Und siehe da: Es wächst ein wunderschöner Baum heran.


Meinung:
Was bleibt übrig, wenn jemand stirbt? Für die Waldbewohner sind es die Erinnerungen, als der alte Fuchs seine Augen für immer schließt. Nach und nach kommen seine alten Freunde. Sie sitzen an seiner letzten Ruhestätte und erzählen sich gegenseitig Anekdoten aus der gemeinsamen Zeit mit dem Fuchs. Die Erinnerungen wachsen, werden intensiver. So geht es die ganze Nacht. Am nächsten Morgen werden die Tiere mit einem Baum überrascht, der auf dem Grab des Fuchses wächst. Es ist ein besonderer Baum. Es ist der Baum der Erinnerung.
Auf sanfte Weise hat Britta Teckentrup sich mit ihrem Bilderbuch "Der Baum der Erinnerung" einem nicht leichten Thema genähert. Es geht um die Hinterbliebenen und letztlich auch um den Toten. Eindringlich erzählt sie, was beide über den Tod hinaus miteinander verbindet. Es sind die Erinnerungen an gemeinsame Erlebnisse, an den Charakter des Verstorbenen, an seine Eigenheiten. Sie leben nicht in purer Faktenaufzählung, sondern in den gemeinsamen Erinnerungen. Die Freunde des Fuchses erfahren es, die Leser erfahren es.
Foto: W. Bönisch
Im Gegensatz zu manch anderem Bilderbuch zum Thema Tod, Trauer und Verlust schafft es Teckentrup hier eine gelöste, ja warme Geschichte zu erzählen. Es steht nicht das Traurige, das Wütende im Vordergrund. Nein, im Gegenteil. Es spielt hier überhaupt keine Rolle. Das Warme, Sanfte, Liebevolle prägt die Erinnerungsrunde der Tiere. Zudem zeigt die Autorin ganz nebenbei den Lauf der Zeit. Es ist ein alter Fuchs mit einem glücklichen Leben, der hier geht. Es ist eben die Normalität des Sterbens, das als Ausgangspunkt für eine Bildergeschichte einfach mal gut tut.
Warm durch die Erinnerungen ist der Grundton des Textes. Auf sanften Schwingen und doch klar erzählt Teckentrup: "Die Tiere sahen den Baum und erkannten, dass der Fuchs noch immer bei ihnen war." Fantasievoll gestaltet sie die Geschichte aus, nimmt die Kinder als Leser an die Hand und führt sie sorgsam durch das Buch.
Foto: W. Bönisch
Ebenso erfrischend wie die Geschichte sind die Illustrationen, die eine moderne Verbindung zwischen realitätsnaher und manchmal schablonenhafter Gestaltung bilden. Das Kalte des Todes wird nicht durch grau oder schwarz dargestellt. Nein, es ist der Winter, der diese Hintergrundfolie bildet - völlig unaufdringlich. Alle anderen Details sind farbig, die Erinnerung ganz passend sogar fröhlich-heiter. Geschickt schafft Teckentrup die Verbindung zwischen der erzählenden Figur und der bildlichen Darstellung der Erinnerung. Letzterem gibt sie viel Platz. Genial hat sie den Baum der Erinnerung gestaltet. Sofort erkennen die Kinder an der Farbe die Verbindung zum Fuchs.

Der Tod als natürlich-normales Ereignis am Ende eines erfüllten Lebens und die Erinnerung als Brücke zwischen dem Verstorbenen und den Hinterbliebenen, aus der viel Kraft letztere schöpfen, sind die zwei Säulen dieses Bilderbuches. Mit seiner Herzenswärme und auch viel Fröhlichkeit hebt es sich wunderbar von anderen Bilderbüchern zu diesem Thema ab. Absolut zu empfehlen!

Britta Teckentrup: Der Baum der Erinnerung
arsEdition, München 2013
ISBN: 978-3845801841
Ausstattung: 32 Seiten, Hardcover
Preis: 12,95 €
Vom Verlag empfohlenes Lesealter: ab 4 Jahre

Überall im Buchhandel erhältlich.

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