Ab 6 Jahre: Gudrun Mebs - Unsere Woche mit Tommi

Foto: W. Bönisch
Inhalt:
Da die Eltern der Oma beim Umzug helfen, verbringen die Geschwister Leon und Maxi eine ganze Woche bei ihrem großen Bruder Tommi. der als Student schon eine eigene Bude hat. Spannend wird die Zeit, denn Tommi hat eigentlich gar keine Ahnung vom Wickeln und von (kleinen) Kindern. Zudem darf er sein Studium nicht vernachlässigen. Da sind so manches Mal unkonventionelle Methoden gefragt.



Meinung:
Gudrun Mebs veröffentlichte 2014 im Kölner Boje Verlag ihr Erstlesebuch "Unsere Woche mit Tommi". Im Fokus steht das Geschwistertrio Leon, Maxi und Tommi.  Die beiden ersteren verbringen eine Woche bei ihrem älteren Bruder Tommi in seiner Studentenbude, weil ihre Eltern der Oma beim Umzug helfen. Daß da eine Menge überraschende Momente für alle sein werden, ist klar. Denn Tommi hat keine Ahnung vom Leben mit (kleinen) Kindern: früher Aufstehen, Frühstück machen, Leon braucht noch Windeln, will gefüttert werden, die sehr kleine Wohnung ist eine Studentenbude, nicht für Kinder eingerichtet. Da heißt es improvisieren, schnell Neues lernen - für alle. Denn Tommi ist in vielen Dingen pragmatisch-konsequenter als die Eltern. Und ganz nebenbei lernen die drei Geschwister sich besser kennen.
Foto: W. Bönisch
Gudrun Mebs ist die Autorin dieser schönen Buchidee. Sie hat das Kinderbuch als Erstlesebuch konzipiert: einfache Sätze, größerer Zeilenabstand, ein wenig größere Schrift. Recht szenisch erzählt sie von der Woche: Episode reiht sich an Abenteuerepisode. Manchmal gelingen ihr die Übergänge perfekt, manchmal wirken sie gekünstelt. Sie legt viel Wert auf die gemeinsamen Erlebnisse der Geschwister, auf die Geschwisterbande, die sie immer enger miteinander verbinden.
Foto: W. Bönisch
Hin und wieder lugt zwischen den Zeilen Kritik hervor: wenn Leon im Kindergartenalter noch Windeln trägt, sich füttern läßt und die jüngeren Geschwister das Spaziergehen nicht so recht kennen. Es ist eine Kritik an den Eltern, die die Kinder zu sehr verwöhnen im negativen Sinne. Tommi überläßt im Gegenzug ihnen mehr Eigenständigkeit, fordert mehr - meist aus pragmatischen Alltagsgründen - und hat damit viel Erfolg.
Gudrun Mebs setzt auf viel Witz und komische Situationen, was das Buch vergnüglich macht. Nachteilig hingegen ist die recht primitive Erzählsprache. Der Plot ist aus der Sicht von Maxi geschrieben, die etwa 9, 10 Jahre alt ist. Es ist ein kindlicher Stil, sehr übertrieben, der zumindest Erwachsenen als Vorleser aufstoßen wird. So wie Tommi hätte Gudrun Mebs auch den Kindern im Erzählstil mehr Anspruch zumuten müssen.


Ein weiterer nachteiliger Punkt ist das Verschwimmen der Figurcharakter. Leon wirkt sehr als Baby, geht aber in den Kindergarten, ist also etwa 3, 4 Jahre alt. Ebenso bleibt Tommi fast immer freundlich, obwohl ihn so manche Situation nervt. Hier hätte die Autorin den Figuren einen schärfere Charaktertiefe geben müssen.
Trotz der Kritik bleibt "Unsere Woche mit Tommi" ein vergnügliches Erstlesebuch, das von den vielen humorvollen Situationen lebt. Die absolut passenden warm-liebevollen Zeichnungen von Stefanie Scharnberg runden es visuell ab. ABC-Schützen werden mit dem Kinderbuch eine schöne Leseerfahrung haben.
Gudrun Mebs: Unsere Woche mit Tommi
Boje Verlag, Köln 2014
ISBN: 978-3414823939
Illustrationen: Stefanie Scharnberg
Ausstattung: 128 Seiten, Hardcover
Preis: 12,99 €
Vom Verlag empfohlenes Lesealter: ab 6 Jahre

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