Ab 2 Jahre: Heinz Janisch - Was wir alles können [Ajum.de]

Inhalt:
Zuhause kennen sich die Kinder bestens aus. Alles ist vertraut. Doch erkennen sie auch die Gefahren wie Stolperfallen, offene Fenster?


Meinung: 
Es gibt in Kinderbücher, in die soviel Pädagogik und Gutgemeintes hineingesteckt wurde, daß der Topf regelrecht überquellt und ein großes Chaos hinterläßt. Gut gemeint ist eben doch nicht gut gemacht. Zu dieser Sorte Buch gehört das 2016 im österreichischen Tyrolia Verlag erschienene Pappbilderbuch "Was wir alles können. Zur Sicherheit im Haushalt" von Heinz Janisch. Es ist in Kooperation mit dem Kuratorium für Verkehrssicherheit entstanden und bezweckt Kinder und Eltern auf offene und versteckte Gefahrenquellen im Haushalt aufmerksam zu machen. Es ist für die Altersgruppe ab 2 Jahre konzipiert, also für die Kinder, für die reales und fantastisches wirklich existiert.
Janisch erzählt keine Geschichte, sondern reiht einzelne Szenen lose aneinander, die allein durch die handelnde Figuren illustratorisch zusammengehalten wird. Eigentlich ist der Text recht abstrakt, ohne Handlung. Löst man ihn vom Text, steht er aussagelos zur Buchidee Sicherheit im Haushalt da. In Drei-, Vierzeilern reimt Janisch, was Kleinkinder alles können: klettern, rückwärtsgehen, springen usw. Doch schnell ist man irritiert: Janisch redet in der Ich-Form, also bezieht er wohl seine Aussagen auf die Kinder. Doch können solche kleinen Kinder Löcher in die Wände bohren, drei Sprachen sprechen oder Mützen stricken? Oder geht es, wenn man die Bilder von Lili Schagerl dazu nimmt, um die Fähigkeiten der handelnden Person in der Szene. Doch wer ist denn da gemeint? Die Katze, die ständig auftaucht, das Kind oder der Erwachsene? Der Text ist völlig zusammenhangslos und unkonkret in seiner Aussage. Er ist verständnislos und verfehlt die Aufgabenstellung des Buches komplett.
Foto: W. Bönisch
Ein wenig zerrt das Buch noch von den Illustrationen Lili Schagerls.Mit kräftigen, fröhlichen Farben hat sie die Bilder ausstaffiert. Auf jeder Seite dominiert eine Farbe, im passenden Farbnuancen wird sie in den Details aufgenommen. Der Stil ist realitätsnah, hat aber beispielsweise in seinen Perspektivverzerrungen seine künstlerische Seite. Bezieht man nun die Bilder zur Buchidee, dann hat sich Schlagerl ein wenig in ihren Stil verrannt. Natürlich gibt es hier und da Gefahrenstellen, die die Kinder wiedererkennen. An dieser Stelle sei der Topf auf den Herd genannt. Doch diese eigentlichen Bildaussagen kommen eher zufällig daher. Sie sind für die Kinder nicht sofort erkennbar, erst nach längerem Raten.
Das Pappbilderbuch "Was wir alles können" von Heinz Janisch verfehlt sein Ziel völlig und ist unbrauchbar. Hier ist wirklich zu viel gewollt, zu viel um zig Ecken gedacht, zu sehr pädagogisch, zu sehr in der Kunstsprache der Erwachsenen verhaftet. Suchen Sie lieber nach Alternativen zu diesem Buchthema.
Heinz Janisch - Was wir alles können. Zur Sicherheit im Haushalt
Tyrolia Verlag, Innsbruck, Wien 2016
ISBN: 978-3702235581
Illustration: Lili Schagerl

Ausstattung: 20 Seiten, Pappbilderbuch
Preis: 9,95 €
Vom Verlag empfohlenes Lesealter: ab 2 Jahre


Überall im Buchhandel erhältlich.

Kommentare

  1. Das klingt aber wirklich ziemlich durcheinander. Ich bin eh nicht so sehr ein Fan von Büchern, die so eindeutig auf bestimmte Sachen hinweisen möchten...

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  2. Sehr geehrte Frau Bönisch, vielen Dank für diese Rezension. Es sei Ihnen unbenommen, Ihre Meinung zu diesem Pappbilderbuch zu haben und wir wollen diese auch überhaupt nicht ändern. Allerdings wollen wir gerne einen Punkt richtigstellen, weil dies die Wahrnehmung des Buches entscheidend ändert: Bei genauer Betrachtung ist zu erkennen, dass die Texte in Sprechblasen stehen, die zu den jeweils gemeinten Personen führen. Bei der ersten Doppelseite ist dies der Bub, bei der zweiten das Mädchen, bei der dritten der Hund usw. Das steht auch im Einklang mit dem Titel des Buches: "Was wir(!) alles können". Es geht um die verschiedenen Kompetenzen verschiedener Figuren, dass eben nicht jeder alles kann, aber viele können viele verschiedene Sachen. Die Ermächtigung und weniger der pädagogisch erhobene Zeigefinger, der vor Gefahren warnt, steht hier im Vordergrund. So viel zum Entstehungshintergrund dieses Buches.
    Mit freundlichen Grüßen, das Kinderbuchteam des Tyrolia-Verlags

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