Ab 8 Jahre: Frank Schuster - Das Haus hinter dem Spiegel

Foto: W. Bönisch
Inhalt:
Ist Eliza verrückt geworden, fragen sich ihre Schwester Lorina, ihre Eltern, die Mitschüler und Lehrer. Fantastisches von einem Haus hinter dem Spiegel erzählt sie, meint, ihr Name wäre Alice und schreibt mehrseitige Aufsätze fließend und fehlerfrei in Spiegelschrift. Alle sind ratlos, wissen nicht, wie sie sich verhalten sollen. Bis der Vertretungslehrer Hundsens den richtigen Hinweis zur Lösung gibt. Es hängt alles mit dem Buch Alice hinter den Spiegeln von Lewis Carroll zusammen. Werden es Mutter und Schwester schaffen, Eliza zu helfen?


Meinung:
Alice im Wunderland blieb mir bisher immer verschlossen. Ich konnte mich mit dem Buch nicht so recht anfreunden, hauptsächlich wegen der mir nicht so recht sympathischen Hauptprotagonistin. Daß es zu dem fantastischen Buch eine Art Folgeband mit dem Namen Alice im Spiegelland (oder Alice hinter den Spiegeln) gibt, war mir vor der Lektüre völlig unbekannt.
Was haben die beiden Bücher mit Frank Schusters Kinderbuch zu tun? Eine ganze Menge, nicht nur, weil sie die Grundlage für seine Buchidee bilden, sondern der Autor in seinem "Das Haus hinter dem Spiegel" das Fantasie-Realitätsprinzip umkehrt. Alice ist in Carrolls Romanen das Vernünftige und taucht in eine Nonsense-Welt ein. Schuster fragte sich hingegen, wie es wohl sein mag, wenn das Nonsense in unsere reale-rationale Umgebung eindringt.
Foto: W. Bönisch
So einfach, aber auch so genial ist seine Kinderbuchidee. Sehr durchdacht baut er seinen Plot auf, was deb Lesegenuß verstärkt. Eliza scheint in den  Augen ihrer Umgebung urplötzlich verrückt geworden zu sein. Immerzu faselt sie Nonsense, versteht ihn, liebt ihn. Als sie auch noch einen Aufsatz in Spiegelschrift schreibt, gerät die Geschichte auf ihren Höhepunkt zu. Hundsen, der kauzige Vertretungslehrer, trägt mit seinem Hinweise auf die Carroll-Romane zur Lösung bereit.
Perfekt gelingt Schuster die Einbindung der Carroll-Bücher. Sie sind der Dreh- und Angelpunkt seines Kinderbuches, das dennoch wunderbarerweise einen eigenen Charakter hat. Diese Gratwanderung zwischen Integration und Eigenständigkeit gelingt Schuster kunstvoll. Glücklicherweise baut er so viele Informationen und Erklärungen, auch literaturwissenschaftlicher Art, ein, daß man auch ohne die Lektüre von den beiden Alice-Romanen sich gut zurecht findet.
Spannungsreich ist der Handlungsbogen zwischen Spiegel, Schachbrett und Katze aufgebaut. Immer wieder begegnen wir Nonsense-Elemente, die eine wichtige Rolle bei Caroll spielen: sei es der Zipferlak, der verrückte Hutmacher, Schnapphase, Zwiebeldum und Zwiebeldei....
Schuster wählt eine gut verständliche Sprache, sein Stil ist rund und macht Freude zu lesen. Der Verlag empfiehlt das Buch ab 8 Jahre, was ich als Herausforderung ansehen würde. Ich würde das Empfehlungsalter um ein, zwei Jahre heraufsetzen. Darüber hinaus sei es auch allen Erwachsenen ans Herz gelegt, denn es keineswegs ein Buch, das sich ausschließlich an Kinder wendet. Liebhaber der gehobeneren fantastischen Literatur werden ihre Freude daran haben.
Fank Schusters "Das Haus hinter dem Spiegel" ist ein spannungsreiches fantastisches Kinderbuch, das bei all seinen Nonsense-Elementen die Kinder sehr ernst nimmt und ihnen auf unterhaltsame Art und Weise die wunderbare Welt der Verzweigungen und Verwandtschaften in der Literatur aufzeigt. Absolut zu empfehlen!

Frank Schuster: Das Haus hinter dem Spiegel
mainbook Verlag, Frankfurt am Main 2014
ISBN: 978-3944124728
Ausstattung: 180 Seiten, Paperback
Preis: 10,50 €
Vom Verlag empfohlenes Lesealter: ab 8 Jahre


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