Erstlesebuch ab 7 Jahre: Martin Klein - Finn und Frieda halten den Herbst auf

Inhalt:
Ende des Sommers. Finn und Frieda wollen früh wie die Wochen zuvor in den Garten stürmen. Doch auf einmal ist es frisch. Die ersten Blätter verlieren ihr grün. Wo ist der Sommer hin? Wie kann man den Herbst aufhalten? Mit welchen verrückten Ideen versuchen es Finn und Frieda?

Sagenerzählung für Kinder ab 6 Jahre: Johannes Praetorius - Rübezahl, hrsg. von Reiner Neubert

Sagenbuch "Rübezahl" von Johannes Praetorius, neu herausgegeben von Reiner Neubert, bearbeitet von Thomas Bachmann, Lychatz Verlag, Leipzig 2018
Inhalt:
Wer jagt nachts? Wer treibt Schabernack mit den Eingebildeten, mit den Geizigen? Wer hilft den Notleidenden? Wer bestraft Lästerer? Es ist Rübezahl, der Herr des Riesengebirges. 135 Sagen und Geschichten erzählen von diesem mehrgestaltigen Berggeist.

Meinung:
Wer im Schlesischen beheimatet ist oder von dort Vorfahren hat, kennt zumindest den Namen Rübezahl, wenn nicht auch abenteuerliche Geschichten über ihn. Seit mehr als 500 Jahre erzählen sich die Riesengebirgler Sagen und Geschichten über den Herrn des Riesengebirges. Carl Maria von Weber schrieb 1804 eine Oper über ihn, Ludwig Richter schuf in der Romantik Gemälde mit der Figur Rübezahl, 1993 veröffentlichte Otfried Preußler "Mein Rübezahl-Buch". Der Rübezahl gehört ohne Zweifel als eine der wichtigsten Gestalten zum schlesisch-böhmischen Sagengut. Doch welche Geschichten gibt es über ihn? Wer ist er? Davon erzählt das Buch "Rübezahl. Ein Geist? Ein Gott? Ein Eulenspiegel?", das Reiner Neubert mit Thomas Bachmann zusammen 2018 im Leipziger Lychatz Verlag veröffentlicht hat.
Diesem Sagenbuch gehört eine große Portion Aufmerksamkeit. Hier werden nicht einfach 135 Sagen über Rübezahl veröffentlicht. Nein, vielmehr steckt die Liebe zur Sagenwelt, zur Literatur drin. Doch zur näheren Erklärung bedarf es eines größeren Vorlaufs.
Johannes Praetorius, Polyhistor und Magister der Universität Leipzig, sammelte in der Mitte des 17. Jahrhunderts Märchen und Volkssagen und hielt sie schriftlich der Nachwelt fest. 1662-1665 und 1672 erschienen seine insgesamt 241 Geschichten über diesen mehrgestaltigen Berggeist. Durch seine Rübezahl-Bücher wurde die Gestalt weit über Schlesien hinaus bekannt. Teilweise vermischte er die derb gehaltenen Sagen mit Motiven des Till Eulenspiegels, des Teufels oder der wilden Jagd.
1920 nahm der Insel-Verlag Leipzig Praetorius' Schriften als Grundlage für einen edierten Reprint, der nun wiederum für den Literaturwissenschaftler Reiner Neubert und dem Leipziger Schriftsteller Thomas Bachmann in Zusammenarbeit mit dem Verleger Sven Lychatz als Ausgang für das hier zu besprechende Buch dient.
"Rübezahl. Ein Geist? Ein Gott? Ein Eulenspiegel?" (2018) bietet uns einerseits Praetorius' Schriften, andererseits den Reprint des Insel-Verlages. Damit der heutige Leser im Erzählduktus der vorherigen Jahrhunderte nicht untergeht, hat der Schriftsteller Thomas Bachmann die Texte leicht überarbeitet, ein wenig dem heutigen Sprachgebrauch angepaßt. Hier hält er ein gutes Gleichgewicht: man liest sehr wohl den alten Leserhythmus, erliest sich manche ungewohnte Wortstellung oder Sprachgebrauch, jedoch mit Bachmanns sanfter literarischer Hand wird man gut durch die ungewohnte Erzählweise hindurchgeführt.
Praetorius' gesammelte Geschichten sind unterschiedlich lang. Derb, grob und direkt sind die Sagen, was dem Zeitgeist kurz nach dem Dreißigjährigen Krieg geschuldet ist. Zugleich gibt es diese mystischen Momente, genau dort, wo Rübezahl erscheint und wirkt. Die Geschichten, die Praetorius auf Basis von gedruckten Quellen als auch auf mündlichen Erzählungen aufschrieb, zeigen die Mehrgestaltigkeit Rübezahls, seines widersprüchlichen Charakters, seiner Liebe zum Schabernack, seine Bestrafung von Hochmut, falschem Stolz, Gier. Genau hier kann man mit den Geschichten, die die Urgewalt in der Seele der Leser berühren, den Weg zu den Kindern finden. Sie sind ungestellt, sie sind direkt - so wie Kinder auch sind. Mit diesen alten Geschichten kann man die Kinder gut fesseln, vor allem auch Jungs. Und die Motive guten Zusammenlebens, aber auch des Schabernacks gelten ja heute noch.
Eng haben sich Neubert und Bachmann an die Vorlage des Insel-Verlages gehalten. Der Text von 1920 ist auf der linken Seite abgedruckt, rechts die leicht modernisierte Übertragung von Bachmann. Mit dem alten, abgedruckten Inhaltsverzeichnis hat man auch einen Zugriff auf die heutige Version. Einführende Worte von Reiner Neubert stimmen auf die folgenden 135 Sagen ein.
Hetty Krist hat in Anlehnung an die Vignetten im Text des Insel-Verlages neue Zeichnungen geschaffen, die an Kraft, Ausdruck nicht nachstehen. Ganz im Gegenteil: sie überträgt absolut die Textaussage in eine beeindruckende Bildsprache. Realistische, kleine Bilder, die voller Kraft, Charakter strotzen. Hier sieht man das Neckische, dort das Derbe, da das Spaßige in Rübezahls Sagen.
Dank der fleißigen Arbeit von Reiner Neubert und Thomas Bachmann sind ein Großteil der verschriftlichen Sagen mit dem Buch "Rübezahl. Ein Geist? Ein Gott? Ein Eulenspiegel?" ins neue Jahrhundert gerettet. Sie gehen so nicht verloren. Wir sollten uns mit diesem Buch die Sagen Rübezahls neu erschließen, ihre Lebensweisheiten, ihren derben Humor genießen und dieses alte Kulturgut wertschätzen.
Bibliographische Angabe zum Sagen-Buch:
Johannes Praetorius: Rübezahl. Ein Geist? Ein Gott? Ein Eulenspiegel? Original übertragen ins 21. Jahrhundert
Hrsg. von Reiner Neubert, bearbeitet von Thomas Bachmann
Lychatz Verlag, Leipzig 2018
ISBN: 978-3942929578
Illustration: Hetty Krist
Ausstattung: 293 Seiten, Hardcover
Preis: 19,95 €

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