Ab 3 Jahre: Alexandra Helmig - Im Land der Wolken

Inhalt:
Im Land der Wolken tauchen ständig neue Wolken auf. Die Kinder hüpfen von einer zur anderen. Es gibt keine Langeweile. Nur Henry macht nicht mit. Alle schauen ihn schief an. Da zieht Sara in die Stadt und interessiert sich für Henry.


Meinung:
Der erste Eindruck vom Alexandra Helmigs Bilderbuch "Im Land der Wolken", das 2016 bei Mixtvision erschienen ist, ist ein zart-schwebender. Auf dem Cover sieht man einen Jungen, der in die Stadt schaut. Dort schweben zwischen den Häusern farbige Wolken. Schon der Titel verspricht etwas schwebend-geheimnisvolles. Das Titelbild mit seinen Zeichnungen und den bunten Wolken in Aquarell verstärkt die zarte Poesie und spricht die Kinder an.
Im Land der Wolken tauchen ständig neue Wolken auf. Die Kinder hüpfen von einer zur anderen. Es gibt keine Langeweile. Nur Henry macht nicht mit. Alle schauen ihn schief an. Da zieht Sara in die Stadt und interessiert sich für Henry.
Alexandra Helmig, die sich mit ihrer Reihe "Kosmos & Klax" als Kinderbuchautorin etabliert hat,  benutzt für ihre Geschichte eine sehr poetische Sprache, die überreich von Metaphern und Anspielungen angefüllt, ja eigentlich schon fast überfüllt ist. Ja, sie schafft es, dieses Versprechen des Titelbildes im Buch einzulösen. Als Zuhörer, als Betrachter schwebt man in der Geschichte davon. Sie ist zart. Aber genau hier liegt auch die Krux. Das Kinderbuch ist für Kinder ab 3 Jahre empfohlen. Für sie ist die Geschichte, ihr eigentlich Sinn - ein Lobpreis aufs Nichtstun und auf die Langeweile, aufs Ruhende - nicht greifbar. Die Figuren bleiben leer. Sie werden nur kurz in ihrer Persönlichkeit angerissen. Sie handeln wenig, sie bleiben recht starr. Die Metapher des Wolkenspringes für (beliebige) Zerstreuung verstehen die Kinder nicht, weil es auch nicht in ihnen liegt. Kinder in dieser Altersgruppe sind ständig in Bewegung. Sie sind von Natur aus neugierig, erforschen mit großem Bewegungsdrang ihre Umgebung. Deswegen bleiben sie am Ende der Geschichte ratlos zurück. Sie verstehen nicht, was das Buch ihnen erzählen will. Die Geschichte ist für sie nicht greifbar. Hier muß der Vorleser die Geschichte mit eigenen Worten erklären. Daher bleibt als Resultat nur zu ziehen: das Buch ist für ältere Kinder geeignet. Die Altersgruppe ab 3 Jahre ist leider völlig verfehlt. Sie kann mit der Geschichte nichts anfangen.
Den poetischen Erzählstil des Textes greift Anemone Kloos mit ihren Bildern auf. Sie mischt die Techniken: die Stadt zeichnet sie klar, deutlich. Darüber legt sie mit Aquarell in kräftigen Farben die Wolkenlandschaft. Diese konträren Techniken birgen den Reiz des Buches. So sehr er von künstlerischer Sicht anziehend ist, so wenig ist er selbst auch für Kinder greifbar. Denn Kloos spielt mit den Farben, aber sie zeigt keine Handlung. Auch hier verliert sich die angestrebte Altersgruppe in den Bildern, findet keinen Halt fürs eigene Begreifen. Nichts ist für sie faßbar. Hingegen mögen ältere Kinder das Künstlerische erfassen.
Eigentlich will Alexandra Helmig mit ihrem Bilderbuch "Im Land der Wolken" eine schöne Geschichte übers Langweilen und der daraus entspringenden kreativen Kraft erzählen. Ein klassisches und beliebtes Thema in Kinderbüchern. Sie wählt einen sehr poetisch-metapherreichen Ansatz, den Anemone Kloos mit ihrem Illustrationsstil aufnimmt. Jedoch verfehlt er seine Wirkung bei der Altersgruppe ab 3 Jahre völlig. Schade, denn das Buch hat schon seinen Reiz.
Alexandra Helmig - Im Land der Wolken
Mixtvision Verlag, München 2016
ISBN: 978-3958540521
Illustration: Anemone Kloos
Ausstattung: 32 Seiten, Hardcover
Preis: 14,90 €
Vom Verlag empfohlenes Lesealter: ab 3 Jahre

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