Der verlorene kleine und der große Pirat

Foto: W. Bönisch
Kalt war die Nacht. Minusgrade. Es hatte gefroren. Der große und der kleine Pirat froren jämmerlich. Zu ihrem Unglück waren sie auch noch naß geworden. Leichter Raureif überzog sie. Traurig und deprimiert waren sie, obwohl sie nach außen fröhlich lachten. Es ging ja auch nicht anders, schließlich hatte Eva Wenzel-Bürger sie so gezeichnet.
Ach, wenige Stunden zuvor waren sie noch glatt, nicht so zerknittert wie jetzt. Kleine, warme Hände hielten sie. In dem Rucksack hatten sie ihre Lieblingsstelle. Es war zwar meist finster, aber sie kamen immer heil an. Doch dieser kurze Augenblick, diese kleine Unaufmerksamkeit veränderte alles.

Nun lagen sie da am Straßenrand. Die Autos brausten vorbei. Der große und der kleine Pirat hatten Angst, sie würden überfahren. Ohh, kommt da die Rettung? Daaa, daa hinten saust ein Fußgänger heran. Ja, jetzt gleich wird es wieder warm. Und? Nein. Unachtsam geht er weiter. Weiter müssen der kleine und der große Pirat da frierend liegen. Und naß und verknittert sind sie immer noch. Ihnen war zum Heulen zu mute.

Die Sonne steht schon höher am Horizont. Wieder schauen beide die Straße entlang. Oh. Vielleicht wird es jetzt besser. Da hinten kommt eine junge Frau auf einem Fahrrad angesaust. Hinten dran ist eiin Anhänger gebunden, bestimmt sind da Kinder drin. Das ist gut, denn Kinder lieben sie. Zumindest das eine Mädchen hatte sie sehr gemocht, bis dieser kurze, schreckliche Moment sie trennte. Ahh, die Frau schaut. Daaa, der Blick. Jaaaaa, jetzt werden wir gerettet. Ohhhhhh nein. Wieder nichts. Dabei hätten wir so sehr auf die Frau gehofft. Sie hatte doch so einen aufmerksamen Blick!

Deprimiert lagen der kleine und der große Pirat da am Straßenrand, von ihrer Künstler-Mutter zum Lächeln gezwungen. Sie meinten, ihr Ende wäre gekommen. Aber es ist Adventszeit und da geschehen kleine und große Wunder. Denn die Frau sauste zwar an ihnen vorbei, aber hatte sie dennoch bemerkt. Sie nahm sich fest vor, auf dem Rückweg nach dem kleinen und dem großen Piraten zu schauen.

20 Minuten später kam sie an dem besagten Wegesstück wieder vorbei. Hielt an, stieg ab und stellte das Fahrrad ab. Sie staunte sehr, als sie ein kleines Pixi-Buch aufhob. Naß geworden, leicht angefroren und an der Ecke durch die Feuchtigkeit verknittert. Der arme kleine und große Pirat. So verloren hier im Winter. Sie nahm die beiden behutsam an sich, fuhr mit ihnen nach Hause und legte sie im warmen Wohnzimmer zum Trocknen auf den Tisch.

Froh waren der kleine und der große Pirat um die Schicksalswende zum Guten. Nun sind sie auch im Herzen wieder glücklich. Ob das Mädchen sie sehr vermißt?

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Kommentare

  1. Ohh Pixi-Büchlein, wer liebt sie nicht. Bei uns gibt es einen Bücherschrank, da findet man oft Schätzchen. Wenn ich allerdings in der Stadt, oder wenn ich unterwegs bin Bücher sehen würde, die offensichtlich jemand liegen lassen hat würde ich wohl zögern sie einzustecken, aus Angst ,dass dem Besitzer auffällt das er es vergessen hat. Nicht auszumalen wenn er dann zurück kommt und nichts mehr vor findet, weil ich es eingesteckt habe.

    Liebste Grüße
    Mary

    PS: Schau doch mal auf meinem Blog vorbei, da gibt es bis zum 22.12 ein tolles Gewinnspiel für Leseratten ;)

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