Ab 3 Jahre: Jutta Bauer - Der Bote des Königs

Foto: W. Bönisch
Inhalt:
Ein König beauftragt seinen Boten, dem Nachbarkönig eine wichtige Nachricht zu überbringen. Sofort macht er sich auf den Weg. Eigentlich ist für den Boten der Weg klar, er dürfte nicht lange unterwegs sein. Aber dann kommt alles anders als gedacht.

Meinung:
Manchmal kommt es vor, daß man sich eine Aufgabe vornimmt, und bis man sie erledigt hat, sieht man links und rechts noch andere Dinge, die nach einem rufen. So kommt es dann, daß die eigentliche Aufgabe viel später erledigt ist, als wenn man sich ihr direkt gewidmet hätte.
So ähnlich ergeht es dem Boten des Königs, der eine wichtige Nachricht zum Nachbarkönig bringen soll. Schon kurz nach dem Start muß er dem verunfallten Eichhörnchenpapa helfen. Ein Weges Stück weiter fischte er einem kleinen Viech sein Spielzeug aus dem Wasser. Bald darauf wartet der nächste, der seine Hilfe braucht. So verzögert sich ständig seine Reise. Der Leser und der Bote fragt sich, wird er die Botschaft noch rechtzeitig überbringen können? Was wird sein König zu seiner Reise sagen?
Foto: W. Bönisch
Jutta Bauers Bilderbuch erinnert sehr an die Kindergartenkinder, die beispielsweise bei einem Spaziergang ständig neues entdecken, hier und da hinspringen, ihre Umwelt erforschen. Schwer haben es dann vor allem die Erwachsenen, wenn sie ihnen (wichtige) Aufgaben übertragen. Aus Sicht der Kinder sind die anderen Dinge eben nicht unwichtiger, nicht weniger spannend und notwendig. Und manchmal haben sie sogar recht.
Genau das will die Autorin den Lesern zeigen. Manchmal ist es eben auch wichtig, was während der Reise passiert. Braucht jemand Hilfe, dann soll man ihm helfen, ohne dabei die eigene Aufgabe aus den Augen zu verlieren.
Den Plot erzählt die Autorin, die zugleich auch Illustratorin des Kinderbuches ist, aus der Ich-Perspektive des Boten. Knapp sind die Sätze, meist nur ein, zwei pro Szene. Gerne spielt sie mit Andeutungen und indirekten Hinweisen auf Ereignisse, Handlungen oder Personen. Dialoge blendet sie vollkommen aus, sondern bedient sich der indirekten Rede. Der Sprachstil ist somit recht eigentümlich, wenig den Leser ansprechend. Beim Lesen frug ich mich, ob die Kinder mit diesem Sprachduktus nicht doch etwas überfordert sind.
Foto: W. Bönisch
Viel greifbarer wird die Geschichte hingegen durch die Illustrationen. Szenisch hat Bauer sie gestaltet und einfach in ihrem Aufbau gehalten. Im Mittelpunkt steht der Bote als aktiver Teil. Er ist ein undefinierbares Tier mit weißem Pullover und roter Hose. So fällt er sehr auf. Simpel, mit wenigen Strichen in der Mimik oder Gestik, aber dennoch gut erkennbar gibt Bauer die Emotionen der Figuren wider. Der Fokus beschränkt sich ganz auf die handelnden Figuren. Die Umgebung ist kaum ausgearbeitet. Hintergrund und Nebensächlichkeiten sind reduziert, ja minimalistisch dargestellt. Bauer beschränkt sich da sehr auf farbige Flächen. Somit liegt der Fokus in den Illustrationen in erster Linie auf die Handlung und auf den Figuren.
Farbe insgesamt spielt als Stimmungsfaktor eine große Rolle. Ebenso setzt Bauer die Perspektive als solch ein Hilfsmittel ein, um Gefühle auszudrücken.
Mit den ausdrucksstarken Bildern schafft es Jutta Bauer, die Leser für sich zu gewinnen. Jedoch ist das große Thema wohl zu abstrakt für die Kinder. Bleibt man hingegen bei den einzelnen Hilfsszenen, werden sie den Sinn sehr wohl begreifen. Daher bleibt bei mir ein ambivalenter Eindruck von diesem Bilderbuch haften.
Jutta Bauer: Der Bote des Königs
Aladin Verlag, Hamburg 2013
ISBN: 978-3-8489-1006-9
Ausstattung: 32 Seiten, Hardcover
Preis: 8,95 €
Vom Verlag empfohlenes Lesealter: ab 3 Jahre


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