Interview mit Annabelle von Sperber: "Offen sein für Kinder, Quatsch machen, und die Ideen kurz notieren"

Kinderbuchautorin und -illustratorin Annabelle von Sperber. Foto: Silke Weinsheimer
Vor kurzem stellte ich hier im Blog das wunderbare, liebevolle Pappbilderbuch "Lotti und Theo: Meine Sinne" von Annabelle von Sperber, erschienen im Sommer im Magellan Verlag, vor. Mich hat das Kinderbuch so sehr begeistert, daß ich Annabelle von Sperber frug, ob ich sie über ihr neues Buch, über die beiden Figuren Lotti und Theo sowie über ihre Arbeit als Kinderbuchautorin und -illustratorin interviewen kann. Sofort hat sie zugesagt. Hier ist unser Gespräch. Viel Freude beim Lesen!

Erst einmal herzlichen Glückwunsch zu Ihrer wunderbaren Bilderbuchreihe um das kleine Mädchen Lotti und ihr Kater Theo. „Meine Sinne“ ist ein liebevoll gemachtes Büchlein für die ganz Kleinen. Wie kam es, daß die beiden Sie als Geburtshelferin auserkoren haben?

Die Grundidee zu Lotti und Theo kam beim Herumalbern mit meiner damals 3jährigen Tochter. Der Bauchnabel ist zum Kitzeln da, die Hände zum Tanzen, die Füße zum Kichern, die Ohren zum Essen... Wir hatten eine Menge Spaß und danach machte ich mir ein paar Notizen und Kritzeleien in mein Skizzenbuch. Mittlerweile ist meine Tochter elf Jahre alt. Vor eineinhalb Jahren griff ich die Ideen wieder auf und versuchte einen roten Faden hineinzubekommen. Das war gar nicht so einfach, denn eine Idee zog immer zwei weitere nach sich. Zu diesem Zeitpunkt hätte aus dem ersten Entwurf zum Beispiel auch auch ein riesendickes Sachbuch für Kinder, vollgepackt mit Experimenten, Wortspielereien und kleinen Geschichten werden können. Im Gegensatz zu dem was man vielleicht denken könnte, erwies es sich als Herausforderung, die Fülle der Ideen auf fünf Sätze zu konzentrieren. Die Entwicklung des ersten Bandes „Meine Sinne“ dauerte ein dreiviertel Jahr und lief parallel zu meinen anderen Aufträgen.

Was unterscheidet Ihrer Meinung nach „Lotti und Theo“ von anderen, ähnlichen Kinderbuchreihen?


Es gibt zwei Protagonisten – eine Identifikationsfigur für den Erwachsenen und eine für das Kind. Theo der kluge Kater, der Lotti zeigt wie es wirklich geht, ihr die Welt erklärt und manchmal gar nicht hinschauen kann bei dem Quatsch den Lotti so anstellt. Und die übermütige, vor Ideen sprühende Lotti, die ihren Theo manchmal mitreissen kann, aber auch ganz froh ist, dass er für sie da ist. Die kleinen Dialoge zwischen Lotti und ihrem Kater regen zum Improvisieren an, man kann herrlich weiterspinnen. Das Amüsement für die Kinder liegt darin, dass sie oft Behauptungen serviert bekommen, die so eindeutig absurd sind, dass sie ganz klar wissen, wie es wirklich läuft. In anderen Kinderbuchreihen sind es in der Regel die Kinder, denen erklärt wird, wie etwas funktioniert - hier aber können sie stolz diejenigen sein die Bescheid wissenn.

Die Reihe um Lotti und Theo lebt von einem besonderen Zauber der Figuren. Zart und liebevoll gezeichnet erinnern sie an die Kinderbuchfiguren der 1950er Jahre. So heben sie sich aktuell von vielen anderen Kinderbuchfiguren ab. Haben Sie den Stil bewußt für Lotti und Theo gewählt oder kommt Ihr persönlicher Zeichenstil da durch? 

Um ehrlich zu sein, es ist ja mein erstes Buch für ganz kleine Kinder. Da wusste ich zu Beginn nicht, wie es am Ende aussehen würde. Es hat sich entwickelt, mir war Klarheit im Layout und auch in der Illustration wichtig. Die Konzentration auf die Figuren, auf das Wesentliche. Ein klares Farbkonzept. Ich habe die Figuren so gezeichnet wie ich sie innerlich gesehen habe. Lotti und Theo sind für mich zu richtigen Familienmitgliedern geworden. Dass es tatsächlich ein wenig an die 50iger Jahre erinnert, finde ich schön. So wie sich das textliche Konzept gefügt hat so war es auch mit der Optik..

Foto: W. Bönisch
Die Reihe um Lotti und Theo erscheint im neu gegründeten Kinderbuchverlag Magellan und paßt sehr gut in das Verlagsprogramm. Wie kam es denn zur Zusammenarbeit? 

Meine Agentin rief mich an und erzählte mir freudestrahlend, sie hätte Lotti und Theo verkauft. Der erste persönliche Kontakt mit Lektorin und Verlagsleiter ergab sich auf der Frankfurter Buchmesse 2013. Ich merkte gleich, dass zwischen uns dreien die Chemie stimmte.

Wie entsteht so ein Pappbilderbuch von der Idee bis zur Veröffentlichung? Und wie lange haben Sie denn für das Buch gebraucht? 

Das Beispiel von Lotti und Theo zeigt, dass manche Ideen in der Schublade reifen müssen . Die Grundidee enstand ja schon vor sieben Jahren. Wieder hervorgeholt habe ich sie vor zwei Jahren. Ich bin Mitglied der Autorenrunde um Claudia Kühn mit Andrea Schomburg und Irmela Schautz. Dort habe ich die Geschichte immer und immer wieder vorgestellt, bis sie wirklich rund war. Für den ersten Band habe ich ein dreiviertel Jahr gebraucht – jetzt bei Band drei und vier war es jeweils nur noch ein Monat. Und jetzt könnte ich gerade so weiter machen .

Woher nehmen Sie die Anregungen für Ihre Kinderbücher?

Natürlich verfolge ich den Buchmarkt, besuche jedes Jahr die Frankfurter Buchmesse und fahre regelmässig auf die internationale Kinderbuchmesse nach Bologna. Der Initialfunke für meine Kinderbücher kommt aber immer aus dem direkten Leben. Je authentischer eine Geschichte ist, umso besser wird sie, finde ich. Lotti und Theo sind aus dem herumalbern mit meiner Tochter entstanden . Aus den verschiedensten Stimmungen heraus können Geschichten entstehen. Offen sein für Kinder, Quatsch machen, und die Ideen kurz notieren.

Foto: W. Bönisch
Was macht für Sie das perfekte Kinderbuch aus? 

In einem perfekten Kinderbuch steckt sehr viel Sorgfalt und Liebe. Tragend ist eine gute Idee. Aber die Umsetzung trägt entscheidend zum Erfolg eines Buches bei. Ein gutes Lektorat, das Layout, die Papierauswahl. Da bin ich bei Magellan sehr gut aufgehoben.

Antje Herden und Kai Lüftner haben im Spätfrühling eine Diskussion über das Auskommen von Kinderbuchautoren angestoßen. Nur wenige Kinderbuchautoren können tatsächlich vom Schreiben leben. In der Diskussion ging es um die Masse an Neuerscheinungen, um Leseförderung und um die Stellung von Lesen bei den Kindern. Wie ist Ihr Blick darauf? Welche Erfahrungen haben Sie gemacht?

Ich fahre mit einer Mischkalkulation am Besten. Ich schreibe Kinderbücher und arbeite an eigenen Projekten. Dazu kommen Auftragsarbeiten und als dritter Bereich die Lehrtätigkeit. Ich bin Dozentin an der Akademie für Illustration und Design in Berlin. Die Entwicklung eigener Bücher kann das Garantievorschusshonorar gar nicht bezahlen. Mit Glück rechnet sich diese Investition später in Form von Tantiemen und bezahlten Lesereisen.

Ein Blick in die Zukunft: über welche Kinderbücher von Ihnen dürfen wir uns freuen? 

Im Oktober 2014 erscheint „MO-ich bin jetzt wach“ im Baumhaus Verlag . Die Geschichte ist von der Schauspielerin Bettina Zimmermann erdacht und geschrieben. Aber auch da hat meine Tochter die Finger im Spiel. Sie hat den side kick- das kleine Monster - erfunden.

Herzlichen Dank für das liebe Interview, Frau von Sperber. Ich wünsche Ihnen noch viele gute Kinderbuchideen und eben so viele begeisterte Leser!

Annabelle von Sperber: Meine Sinne (Lotti und Theo)
Magellan Verlag, Bamberg 2014
ISBN:978-3734815010
Ausstattung: Pappbilderbuch, 16 Seiten
Preis: 7,95 €
Vom Verlag empfohlenes Lesealter: ab 2 Jahre

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