Ab 4 Jahre: Jean-Francois Dumont - Die kleine Gans, die aus der Reihe tanzt

Foto: W. Bönisch
Inhalt:
Alle Gänse marschieren im Gleichschritt zum Meer. Nur Zita, die kleine Gans, hat einen anderen Takt. Als sie sich nicht am vorgegebenen Takt hält, wird sie zur Strafe zurück auf den Bauernhof geschickt. Aber dann geschieht etwas, was ihr viel Mut gibt.

Meinung:

Anders als die anderen zu sein, fällt schon Erwachsenen schwer, Kindern im Kindergartenalter aber erst recht. Schnell stoßen Kinder andere, die anders sind, aus, wenn sie zu sehr aus dem Rahmen fallen. Anders zu sein als der Rest erfordert Selbstbewußtsein, daß Kinder erst erfahren und entwickeln müssen. Selbst so mancher Erwachsene kann Anderssein und seine sozialen, gesellschaftlichen Konsequenzen nicht aushalten.
Nun hat Francois Dumont genau dieses Thema, Anderssein und Selbstbewußtsein, als Thema für sein Bilderbuch gewählt. Hier ist es die kleine Gans Zita, die im wahrsten Wortsinn aus dem Takt fällt. Da sie sich nicht an die Regeln halten will oder kann, erfolgt prompt die Strafe. Traurig kehrt sie auf den Bauernhof zurück und folgt nun ihrem eigenen Takt. So manches andere Tier hört da auf.
Foto: W. Bönisch
An sich ist die Geschichte ganz nett gemacht. Der Plot wird konsequent verfolgt. Der Sprachstil ist passend für Vierjährige umfangreicher und komplexer im Aufbau, aber auch nicht zu anspruchsvoll. Mit gestalterischen Elementen wie Geräuschdarstellung wird der Text zwar graphisch aufgelockert, macht aber jedoch das Vorlesen zunehmend schwieriger.
Die Illustrationen sind großflächig gehalten. Zunächst dominieren Brauntöne, das Ende der Geschichte hat der Autor, der zugleich Illustrator der Geschichte ist, bunt-farbig gestaltet. Öfters wechselt er die Perspektive auf die Figuren: mal die Vogelperspektive, mal Zita allein vor weißem Hintergrund. Mit dieser Technik bringt er viel Dynamik in die Gestaltung. Auch die farbig gestaltene Geräuscheschrift trägt das Ihrige dazu bei.
Nun wäre an sich die Zeit, ein gutes Fazit für das Buch zu ziehen. Jedoch stören mich zwei Punkte sehr, die dazu führten, daß ich zwei Sterne in der Bewertung abzog. Erstens irritiert der Fakt sehr, daß die Tiere auf der eingezäunte Weide einige Seiten später der kleinen Gans auf einmal folgen. Wie das funktionieren soll, bleibt das Geheimnis des Autors. Oder die Tiere sind klammheimlich ausgebrochen, was völlig unbemerkt geblieben ist.
Foto: W. Bönisch
Der zweite Punkt betrifft das Ende der Geschichte. War Zita am Anfang die Außenseiterin, so ist es nun Igor, der nun alleine in seinem Takt marschiert. Hier ist keine „Versöhnung“ im Sinne eines guten Endes zu sehen, sondern eher im Sinne eines Sieges von Zita über Igor. Das Ende entspricht genau dem Anfang. Für mich ist es keineswegs ein Zeichen zu mehr Selbstbewußtsein und Mut für sein Anderssein, sondern Ausdruck eines Stärkeren bzw. der Schwächere am Anfang wird der Stärkere am Ende. Damit widerspricht sich der Autor selber.
Insgesamt hinterläßt das Buch einen sehr ambivalenten Eindruck bei mir. Deswegen kann ich es nur mittelmäßig bewerten.
Jean-Francois Dumont: Die kleine Gans, die aus der Reihe tanzt
arsEdition, München 2011
ISBN: 978-3760749747
Ausstattung: 32 Seiten, Hardcover
Preis: 12,95 €
Vom Verlag empfohlenes Lesealter: ab 4 Jahre

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