Ab 4 Jahre: Danny Baker - Frida Furchtlos lädt zum Tee

Cover des Bilderbuches "Frida Furchtlos lädt zum Tee" von Danny Baker
Inhalt:
Die Gans Frida wohnt in einem Häuschen allein am Waldesrand. Eines Tages begegnen ihr Wolf, Bär und Löwe, die sie fressen wollen. Was passiert mit Frida? Hat sie Angst? Oder ist sie im Gegenteil furchtlos?


Meinung:
Märchen sind wahre Inspirationsquellen für moderne Kinderbücher, wenn man in die Erscheinungen der letzten Jahre (Susanne Glanzer mit "Anna Apfelkuchen", Brigitte Endres u. a. mit "Die Prinzessin und die Erbse" oder Ilan Brenman mit "Auch Prinzessinnen müssen mal pupsen") sich anschaut. Danny Baker reiht sich mit seinem Bilderbuch "Frida Furchtlos lädt zum Tee" da ein. Er adaptiert das beliebte Märchen "Das Rotkäppchen" und gibt ihm mit seiner Frida-Geschichte einen ganz eigenen Ton.
Wie im Rotkäppchen-Märchen thematisiert Danny Baker auch das Treffen mit dem Unbekannten, das faszinierend und gefährlich zugleich ist. Jedoch fokussiert er sich dann auf das Thema Mut oder besser gesagt Furchtlosigkeit im Sinne von Urvertrauen.
Die Gans Frida Furchtlos ist die Hauptfigur im Bilderbuch. Sie lebt in einem Häuschen am Waldesrand sehr abgelegen und allein. Dennoch ist sie der Welt mit einem grundständigen Vertrauen, Offenheit und auch Ehrlichkeit zugetan. Genau dies sind die entscheidende Charakterzüge bei der Begegnung mit dem Löwen, dem Bären und dem Wolf. Und hier spielt Baker mit dem (Märchen)Wissen der Kinder. Auf zwei Ebenen wird die Geschichte erzählt. Die Kinder wissen um die Gefährlichkeit der Tiere, die Frida Furchtlos fressen wollen. Aber Frida begegnet ihnen überraschend anders, ungeplant, ja letztlich entwaffnend, denn sie lädt jeden von ihnen zum Tee ein. Da entsteht der Drall in dem Plot, der Humor, die kitzlige Spannung, die in dem völlig überraschenden Ende des Buches seinen wirklichen Höhepunkt findet. Nur - hier sei es als Einschub gesagt - dieses Ende den jüngeren Kindern explizit gezeigt werden muß, denn es ist in der Illustration ein wenig versteckt. Ältere Kinder werden es hingegen ohne Probleme gut erfassen.
Das Bilderbuch lebt vom Gegensatz zwischen Erzählung und Bild einschließlich dem Märchenwissen. Hieraus entsteht Witz, Spannung, Tiefe und die eigene Dynamik. Es ist ein Buch, das sogleich durch seine Lebendigkeit und Esprit fasziniert.
Dazu kommen noch die die grandiosen Bilder von Pippa Curnick. Ihr kräftiger Zeichenstil nimmt jeden in Bann. In den Szenenübergängen geht sie in die Breite. In den Begegnungen fokussiert sie wie im Text die Bilder auf die zwei Figuren. Da wechselt sie die Perspektiven, bringt dadurch Dynamik und Emotionen hinein. Mit wenigen Mitteln zeigt sie in der Mimik und in der Körperhaltung der Figuren sehr konkret deren Gefühle sehr lebendig. Man spürt sie also sofort. Braun und Grün als Farben des Waldes dominieren. Interessanterweise verwendet Curnick Weiß als Schattenfarbe und setzt so sehr gekonnt Akzente. Die dennoch realistische, erzählende Darstellung bietet den Kindern einen leichten visuellen Zugang.
Das Bilderbuch "Frida Furchlos lädt zum Tee" von Danny Baker ist nicht nur eine einfache Märchenadaption. Nein, es ist ein Plädoyer für Offenheit. Es punktet mit seinem Spiel an Märchenwissen und dem humorvollen Gegensatz zwischen Text und Bild. Es regt zum Nachdenken über Mut, gefährliche Begegnungen, Urvertrauen und gesundem Mißtrauen an. Manch Erwachsener wird den Zugang der Buchidee kritischer sehen, doch eine Diskussion daraus ist ein guter Kanal, ausführlich mit den Kindern zu reden oder selbst zu reflektieren. Denn Baker zeigt die Graustufen im Leben mit seinem Buch sehr gut. Daher wäre es für die Grundschule ebenfalls gut als Arbeitslektüre beispielsweise im Ethikunterricht zu empfehlen.
Danny Baker - Frida Furchtlos lädt zum Tee
arsEdition, München 2018
ISBN: 978-3845827513
Illustration: Pippa Curnick
Übersetzung: aus dem Englischen von Victoria Lach
Ausstattung: 32 Seiten, Hardcover
Preis: 15 €
Vom Verlag empfohlenes Lesealter: ab 4 Jahre

*Direkt beim Verlag bestellen oder überall im Handel erhältlich.

Mit einem Kauf über Amazon unterstützen Sie meinen Blog, vielen Dank: https://amzn.to/2NMc6Oi

(*) Nach dem Telemediengesetz sind Links auf Verlage, Shops und Affiliate-Links (hier: Amazon) als Werbung zu kennzeichnen, übrigens ganz unabhängig davon, ob das Buch ein Rezensionsexemplar ist oder selbst gekauft wurde. Meine Meinung zum Buch ist immer unabhängig. Die Links verstehe ich als Service für meine Blogbesucher.

Kommentare