Streitschrift über ADHS: Amrei Wittwer - Warum ADHS keine Krankheit ist

ADHS bei Kindern: warum wird es zunehmend diagnostiziert? ADHS - dieser medizinische Begriff ist durch Medienberichte außerhalb von Fachkreisen und Betroffenen keineswegs unbekannt. Im Gegenteil, vielmehr scheinen viele Menschen zu ihm eine Vorstellung zu haben, ohne genau zu wissen, was sich mit ADHS genau beschrieben wird. Festzustellen ist, dass in den letzten Jahrzehnten die Diagnostik von ADHS zugenommen hat. In manchen Regionen Europas wird jedes 4. Kind als ADGS-betroffen eingestuft (Wittwer). Doch vor mehr als 60 Jahren war der medizinische Begriff noch völlig unbekannt. Wie kommt es zu dieser Entwicklung, zu dem massiven Anstieg an diesen Diagnosestellungen?
Dieser Fragestellung geht Amrei Wittwer in ihrem Sachbuch "Warum ADHS keine Krankheit ist. Eine Streitschrift", 2019 im Hirzel Verlag erschienen, ausführlich nach. Sie ist keine Journalistin, die sich mit diesem Thema auseinandersetzt. Nein, die Schweizerin Amrei Wittwer ist Apothekerin und beschäftigt sich sei…

Fachliteratur: Ulrike Leubner - Mit Kindern Regeln regeln

Inhalt:
Regeln sind wichtige Helfer im sozialen Miteinander einer Krippe, eines Kindergartens oder einer Grundschule. Doch wer erstellt sie? Die Erzieher? Die Kinder? Gemeinsam? Wie werden Regeln sichtbar gemacht? Wie ist der Umgang mit ihnen? Was passiert bei Regelbrüchen?

Meinung:
Das Zusammenleben in einer Gruppe funktioniert mit einer guten Mischung aus Regeln, Freiheit, Rücksichtnahme, Empathie, Kommunikation. Es ist ein ständiges Aushandeln, bedingt durch die Individuen in der Gruppe bzw. im Kindergarten oder Hort auch durch die Erwartungen der Eltern an die pädagogischen Fachkräfte, durch die Erziehung in der Familie, durch die Erfahrung und das pädagogische Talent der Erzieher und letztlich auch durch die aktuelle gesellschaftliche Meinung, wie mit Kindern in den Einrichtungen umgegangen werden soll.
Die Notwendigkeit von Regeln wird heuer in KITAS und Hort nicht bestritten, sondern als wichtiges Gerüst für die Kindergruppengemeinschaft gesehen. Daß Kinder an der Erstellung von Regeln partizipieren sollen, steht auch nicht zur (theoretischen) Diskussion. Jedoch in welcher Form, in welchem Maße wird heftig erörtert, gestritten. Ulrike Leubner, Erzieherin und Fachberaterin in Sachsen, widmet sich intensiv diesem Thema in ihrem Fachbuch "Mit Kindern Regeln regeln", das 2017 bei Edition Claus erschienen ist.
Leubner möchte eine praktische Handreichung für Pädagogen in KITAs (Kindergarten, Krippe, auch Tageseltern) bis zu Erziehern in der Grundschule über dieses streitbare Thema geben. In einer Vielzahl an ein- bis doppelseitigen Kapiteln nähert sie sich konzentrisch dem Thema an. Zunächst erörtert sie, was Regeln sind, warum sie für die Gemeinschaft notwendig sind. Dann geht es schnell ans Eingemachte, wobei Leubner wohltuend beim Praktischen bleibt, ja mit vielen Fallbeispielen aus ihrer erzieherischen Arbeit und aus der Fachberatung schöpft. Damit bleibt sie nicht nur in ihren Aussagen anschaulich, sondern wirkt auch manchem Zweifel vor. Sehr strittige Diskussionspunkte scheut sie nicht. Da fragt sie nach echter Partizipation der Kinder. Wer soll die Regeln aufstellen? Dürfen Kinder selbst Regeln aufstellen? In welchem Umfang? Wer sanktioniert? Wie sehen die Sanktionen aus? Was ist der Unterschied zwischen Regeln und Verbot? Wie unterscheiden sich Regeln in der Krippe von denen im Kindergarten, im Hort oder in der Familie? Wann und inwiefern ist Scheitern bzw. eigene Erfahrungen machen erlaubt? Wie gehen Erzieher mit Wut bei Regelbruch vor?
Leubner hat stets das Kind als Individuum, das seine Persönlichkeit hat und Erfahrung machen muß, im Blick. Gleichzeitig verliert sie keineswegs die Gemeinschaft (andere Kinder aus der Gruppe, gesamter Kindergarten, Erzieher) aus den Augen. Grundlage ihrer Aussagen finden sich in der Bindungstheorie, in der Bedürfnisorientierung sowie in der seelischen und geistigen Entwicklung der Kinder. Partizipation als Erfahrungsmöglichkeit steht im Vordergrund. Pflichten und Sanktionen vernachlässigt sie nicht, denn Regeln sind nicht einseitig.
Die große Stärke des Buches liegt in der Praxisnähe. Da werden Fälle wie Bobbycarfahren der Kleinkinder (wie Regeln Unfälle vermeiden), Umgang mit Rechtschreibfehlern bei von Kindern aufgestellten Regeln im Hort, Anziehregeln in der Krippe, Wutraum, offenes Konzept in der Kita und Regeln, Ordnung in der Garderobe oder vor Funktionsräumen etc. in Wort und Bild (!) gezeigt. So manches Mal schafft sie einen Perspektivwechsel, zumindest ein Nachdenken über Regeln und Regeleinführung beim Lesen. Zumindest letzteres ist ja der Grundstein für die Reflexion.
Die klare Sprache, das Schöpfen aus der Praxis, der eigenen langjährigen Erfahrung, die vielen Fotos zu den Fallbeispielen, die Zugewandtheit zum Kind, die klare Position zu den Regeln für ein gutes Zusammenleben in der Kindergruppe, die Bejahung der Selbsterfahrung machen das Fachbuch "Mit Kindern Regeln regeln" zu einer wahren Fundgrube an Anregungen, Hilfestellungen für moderne Pädagogen. Aus diesem Buch können Erzieher (auch Lehrer) viel für ihre Arbeit schöpfen. Auch wenn nicht jede Idee beispielsweise aufgrund der personellen Rahmenbedingungen übernommen werden kann, so stößt sie doch die Diskussion beispielsweise innerhalb des Teams an. Und dann öffnet sich so manches Mal eine Tür in einer verfahrenen Situation. Dieses Buch ist für jeden Kindergarten, jeden Hort eine wertvolle Bereicherung!
Ulrike Leubner - Mit Kindern Regeln regeln
Edition Claus, Limbach-Oberfrohna 2017
ISBN: 978-3981888300
Ausstattung: 66 Seiten, Broschiert
Preis: 9,95 €

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