Zurück in die Vergangenheit: warum das Lustige Taschenbuch auch nach 30 Jahren cool ist

Ein paar Bände der Comic-Reihe Lustiges Taschenbuch Donnerstag ist Micky-Mouse-Tag Anfang der 1990er Jahre: jede Woche fieberte ich dem Donnerstag entgegen. Warum? Weil an diesem Wochentag immer die neue Ausgabe der Kinderzeitschrift Micky-Mouse vorlag. Comic-Geschichten um die pfiffige Mouse, um den tolpatschigen-treuen Goofy oder um den Pechvogel Donald Duck. Dazu Experimente und eine Kleinigkeit, die damals tatsächlich eine Kleinigkeit war - im Gegensatz zu den heutigen Beigaben. Die Micky-Mouse kaufte ich mir von meinem Taschengeld und sammelte sie. Bis heute habe ich eine recht große Ansammlung an Ausgaben, die ich gut gehütet habe. Jetzt liest sie das große Kind. Seltener, da mal ein Geschenk, gab es für mich die Bände des Lustigen Taschenbuches (LTB). Schon damals war ich vom Buchrücken fasziniert: Stück für Stück mit jeder Bandausgabe entstand ein Bild. Nur ein paar LTBs bekam ich, dann war ich größer, älter geworden und sie interessierten mich nicht mehr so sehr. Dennoch wie d

Ab 5 Jahre: Susanne Glanzner - Anna Apfelkuchen. Geschichten aus dem Ganzanderswald

Foto: W. Bönisch
Inhalt:
Das Mädchen Anna Apfelkuchen erbt das Baumhaus ihrer Tante Agatha im Ganzanderswald, die nach Panama ausgewandert ist. Im Ganzanderswald geht es märchenhaft zu. Dort lernt sie ihre neuen Freunde kennen: die kluge Spinne Frau Weber, Fred, die Fledermaus und Erik, das Eichhörnchen, das kopfüber wie sein Freund Fred schläft, die etwas eitle, aber liebenswerte Kuh Katharina, das Gespenstermädchen Nocturna, das sich nachts fürchtet oder den griesgrämmigen Uhrenkobold Totti. Gemeinsam erleben sie jeden Tag ein neues Abenteuer.



Meinung:
Das Vorlesebuch für größere Kindergartenkinder "Anna Apfelkuchen. Geschichten aus dem Ganzanderswald" von Susanne Glanzner, 2014 im Thienemann Verlag erschienen, entführt uns in eine magische Welt. Anna Apfelkuchen erbt das Baumhaus ihrer Tante Agathe im Ganzanderswald. Dort trifft sie auf ihre neuen Freunde: die kluge Spinne Frau Weber, Fred, die Fledermaus und Erik, das Eichhörnchen, das kopfüber wie sein Freund Fred schläft, die etwas eitle, aber liebenswerte Kuh Katharina, das Gespenstermädchen Nocturna, das sich nachts fürchtet oder den griesgrämmigen Uhrenkobold Totti. Jeden Tag erleben sie ein Abenteuer, das sie mit Klugheit, Neugierde, Offenheit und Freundschaft bestehen. Dabei erfahren wir mit jeder Geschichte mehr von Anna und ihren Freunden. So werden die Figuren profilierter, das Buch bekommt seinen roten Faden, der es zusammenhält.
Foto: W. Bönisch
Die Geschichten folgen einem bestimmten Muster, das den Takt des Buches vorgibt. Meist am frühen Morgen stoßen Anna oder eins ihrer Freunde zufällig auf eine hilfesuchende Figur, auf ein Problem. Rat gibt oft die kluge Spinne Frau Weber. Oder in der Gemeinschaft wird nach der Lösung gesucht. Ein heißer Kakao und gutes Essen hilft dabei ungemein. Kurz vor der Lösung baut Glanzner als Hinweis, manchmal wie als eine Fabel eine Geschichte ein, die die Lösung enthält. Freude über das glückliche Ende verbreitet sich am Schluß. Durch diesen Aufbau bekommt das Buch seinen ganz bestimmten Charakter, der viel von Freundschaft, Hilfsbereitschaft, Höflichkeit, Liebe und Harmnonie enthält. Es ist in dieser Hinsicht kein fetzigs, dynamisches, treiibendes Buch, sondern eins, das viel von der Kullerbü-Stimmung enthält, nur eben in einer magischen, fantasiereichen Welt. Gute Tugenden und Eigenschaften werden immer wieder in dem Buch hochgehalten.
Foto: W. Bönisch
Auffällig ist, wie Susanne Glanzner in den Anna-Apfelkuchen-Geschichten mit Elementen aus anderen, bekannten Kinderbüchern und Märchen spielt - mal offener, mal in einer Nebenbemerkung. Da steckt ganz viel Humor, Witz und Charme drin. Es macht Freude, mit detektivischem Spürsinn diesen Querverweisen zu folgen. Nicht jede werden die Kinder sofort erkennen, was aber dem Verständnis der einzelnen Geschichte überhaupt keinen Abbruch tut. Da taucht beispielsweise der gestiefelte Kater auf, die Lebkuchenhexe erzählt ihre Version von Hänsel und Gretel ebenso der Wolf von seiner Begegnung mit dem Rotkäppchen. Harry Potters Schloß taucht kurz mal indirekt auf, ebenso eine Version des fliegenden Holländers. Glanzner jongliert regelrecht damit, baut um und wechselt auch für die Leser mal die Perspektive.
Auch so manch anderes Wissen versteckt sich in den Geschichten, das den Kindern fast wie nebenbei erklärt wird. Beispielsweise erfahren sie, was es mit dem Chlorophyll auf sich hat. Die Autorin findet da genau die richtigen Worte, um der Zielgruppe sach- und kindgerecht das Wissen zu erläutern.
Ein Hinweis sei noch für die Vorleser an dieser Stelle angebracht. Glanzner baut die Sätze mit Einschüben und Nebensätzen ganz schön auf. Mit der richtigen Vorlesetechnik werden sie für die Kinder dennoch gut verständlich. Schwer ist es nicht.
Den Charme des Buches verstärkt Eleni Livanios mit ihren zauberhaften Illustrationen, die eine Mischtechnik zwischen Zeichnung und Aquarell ist. Fast jede Seite ziert in der oberen, äußeren Kante ein Apfelzweig als typisches Symbol für die Hauptfigur. In größeren Abständen kommen dann ganzseitige oder halbseitige Illustrationen hinzu, die einen kurzem Moment aus der Erzählung festhalten. Selbsterklärend sind sie nicht, sie dienen allein zur visuellen Auflockerung.
Die magisch-fantastische Abenteuergeschichten über Hilfe, Freundschaft, Liebe und ein guten Prise Märchenbingo in "Anna Apfelkuchen. Geschichten aus dem Ganzanderswald" von Susanne Glanzner verzaubern die Kinder und Vorleser sorfort. Lesen und abtauchen!
Susanne Glanzner: Anna Apfelkuchen. Geschichten aus dem Ganzanderswald
Thienemann Verlag, Stuttgart 2014
ISBN: 978-3522183598
Illustration: Eleni Livanios
Ausstattung: 224 Seiten, Hardcover
Preis: 14,99 €
Vom Verlag empfohlenes Lesealter: ab 5 Jahre

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