Ab 4 Jahre: Sylvia Schopf - Mit dem spielen wir nicht

Foto: W. Bönisch
Inhalt:
Theo mag nicht mehr in den Kindergarten gehen. Denn dort ärgert ihn das Trio Paul, Niklas und Rico. Und die anderen Kinder machen auch noch mit. Theo zieht sich immer mehr zurück, mit seiner Mutter oder der Erzieherin getraut er sich nicht, über die Situation zu sprechen. Und dann steht da noch der Ausflug in den Zoo an! Zum Glück gibt es Fabio, den Neuen in der Gruppe. Wird er Theo helfen können?


Meinung:
Ohne Zweifel sind Kinderbücher über schwierige, sensible Themen wichtig. Problematisch ist jedoch die Zielgruppenorientierung: schreibt man darüber ein Buch für die Kinder oder für die Erwachsenen? Beides verlangt unterschiedliche Lösungen im Aufbau, in der Darstellung der Geschichte. Die zwei Zielgruppen gemeinsam anzusprechen, macht die Plotentwicklung noch komplexer.
Sylvia Schopf versucht scheinbar letzteres bei diesem Buch, das dem Thema Mobbing gewidmet ist. Mobbing geisterte in den letzten Jahren, also zum Erscheinungstermin des Buches, vermehrt durch die Presse, meist jedoch auf die Erwachsenen oder auf Schulkinder zugeschnitten.
Foto: W. Bönisch
Mobbing tritt natürlich auch bei Kindergartenkindern auf, auch wenn sich hier Mobbing noch sehr stark von demjenigen bei Erwachsenen oder Jugendlichen unterscheidet. Es ist weniger systematisch, zielgerichteter usw., da Kinder in diesem Alter die kognitiven Voraussetzungen dafür noch nicht entwickelt haben. Kurzum Mobbing im Kindergarten unterscheidet sich grundsätzlich vom späteren Mobbing. Dieser kurze Hinweis ist für die Bewertung des Buches notwendig.
Nun erzählt also Schopf die Mobbinggeschichte von Theo, die klassische Elemente wie Bauchweh, Zurückziehen, starkes Bündnis der Mobbergruppe, Opfer hat kaum Freunde, Eltern und Erzieherin, die zunächst nichts bemerken, hat. Fast klischeehaft wird dann noch die Figur des Fabio als Retter eingeführt, der als Neuer sich im Kindergarten behauptet und auf die Seite von Theo schlägt. Das Mobbing erreicht seinen Höhepunkt natürlich bei einem Ausflug und dort löst es sich mit einfachen Mitteln auf.
An sich ist das Thema ohne Zweifel wichtig. Natürlich sollten Eltern und Erzieher immer schauen, wenn ein Kind plötzlich nicht mehr den Kindergarten besuchen will. Diese Zielgruppe zu sensibilisieren, ist eine ehrenwerte Aufgabe. Jedoch hat die Autorin das Thema in diesem Buch zu klischeehaft, voraussehbar dargestellt. Zudem ist beim Lesen völlig unklar, an wen sie sich eigentlich richtet. An die Eltern? Schwerlich werden sie dafür ein Kinderbilderbuch kaufen, um sich mit dem Thema zu beschäftigen. An die betroffenen Kinder? Dafür spricht sie zu deutlich immer wieder die Eltern an. Höhepunkt ist der erläuternde Text am Ende des Buches, der sich schon in der Überschrift ausschließlich an die Erwachsenen richtet. Sylvia Schopf eiert also zwischen den beiden Zielgruppen herum, ist dadurch unklar in ihrer Ansprache.
Holzschnittartig sind eben auch die Elemente der Mobbinggeschichte, die teilweise ohne Verbindung nebeneinander stehen. Beim Lesen kommt der Verdacht auf, die Autorin hätte eine Liste mit vorgefertigten Handlungsmustern abarbeiten müssen.
Foto: W. Bönisch
Darüber hinaus geht sie auf die spezifischen Eigenheiten des Mobbings im Kindergartenalter (s.o.) nicht ein. Die Geschichte hätte genau so gut in der Schule spielen können. Zwar ist die angebotene Lösung am Ende des Buches eine Empfehlung für Erzieher, jedoch wirkt sie genauso zuammenhangs- und lieblos abgehandelt wie die gesamte Geschichte.
Einzig und allein die Illustrationen sind stimmig auf den Plot zugeschnitten.
Dadurch, daß sich die Autorin nicht auf eine Zielgruppe konzentriert hat, verliert sie sich in Stereotypen. Der pädagogische Mahnfinger scheint allenthalben durch. Schade, denn das Thema ist insgesamt nicht unwichtig.
Sylvia Schopf: Mit dem spielen wir nicht.
Annette Betz Verlag, Wien, München 2009
ISBN: 978-3219114096
Illustrationen: Manfred Tophoven
Ausstattung: 32 Seiten, Hardcover
Preis: 12,95 €
Vom Verlag empfohlenes Lesealter: ab 4 Jahre

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