Eine bewegende Geschichte für Kinder über Schuld, Gefängnis und Familie
Vickys und Simons Vater ist Busfahrer. Aus Unachtsamkeit fährt er im Dienst ein Kind tot und muss daher ins Gefängnis. Das gesamte Leben der Familie verändert sich gewaltig. Was heißt Gefängnis überhaupt? Wie sieht der Alltag im Gefängnis aus? Wie geht der Täter mit der Tat um und wie verändert sich das Leben in der Familie? Eine eindrückliche Sachgeschichte über die Justiz, Haft und die Folgen für alle.
Rezension des Graphic-Novel-Buches ab 10
Ein grüner Umschlag und ein Schlitz, aus dem müde Auge eines gezeichneten Gesichtes herausschauen. So lädt Christine Hubka Kinder ab 10 und Teenager mit ihrem erzählenden Sachbuch ein, sich mit dem anspruchsvollen Thema Gefängnis, Verantwortung, Schuld und Folgen auseinanderzusetzen.
Vickys und Simons Vater ist Busfahrer. Aus Unachtsamkeit fährt er im Dienst ein Kind tot und muss daher ins Gefängnis. Das gesamte Leben der Familie verändert sich gewaltig. Von Anfang an schildert die Gefängnisseelsorgerin Christine Hubka realitätsnah in dem Comicroman die Geschehnisse ab dem Zeitpunkt des Unglücks bis zur Rückkehr des Vaters aus dem Gefängnis in den Familien- und Berufsalltag. Dabei bleibt sie konsequent beim Täter und seiner Familie. Zum Nachdenken regt auch die Wahl der Tat her. Es ist eine Unachtsamkeit mit einer fatalen Folge: eine Körperverletzung mit Todesfolge. Im Folge der Geschichte klärt sie auch noch die Hintergründe auf und zeigt den Lesern ein ethisches Dilemma auf, ohne ein abschließende Bewertung zu geben. So regt sie die Leser zum Nachdenken auf: Was bedeutet Schuld? Gibt es Gerechtigkeit für so eine Tat? Wie soll der Täter und seine Familie damit umgehen - hier spielt der Buchtitel eine große Rolle!
Erzählende Sachgeschichte mit erklärenden Informationen
Aus einer Beobachtungsperspektive verfolgen die Leser die Geschehnisse: das Unglück, der Moment, als die Kinder vom Geschehen erfahren, der Besuch in der U-Haft, der Prozess, der Gefängnisalltag und die Besuche dort. Die Autorin zeigt eindrücklich die Folgen auf allen Ebenen für den Vater und seine Familie auf: die emotionale Belastung, Vorwürfe, Zusammenhalt und Ablehnung, die emotionale Belastungen, Anfeindungen, soziale Ächtung, Mobbing, finanzielle Schwierigkeiten. Christine Hubka zeigt Wege auf, wie die einzelnen Familienmitglieder mit dem einschneidenden Ergebnis und den Folgen umgehen können, aber auch die Gefahren, daran selbst oder als Familie zu zerbrechen. Es ist eine Krisenzeit, die sich lange hinzieht.
Nach jedem größeren Sinnabschnitt in der Graphic-Novel-Geschichte folgt ein Sachinformationsteil. Hier klärt die Autorin Begriffe, gibt Einblicke in das Justizsystem, erläutert Abläufe wie den Gerichtsprozess.
Rauheit der Bilder: Ausdruck der Gefühle
Lukas Vogls Illustrationen im Stil von Graphic-Novel, sind expressiv, dynamishc und auf das Wesentliche reduziert. Die Zeichnungen arbeiten überwiegend mit Schwarz- und Grautönen, die durch gezielte rote Farbflächen ergänzt werden. Gerade dieses reduzierte Farbschema passt hervorragend zur bedrückenden Atmosphäre der Geschichte. Das Rot wirkt dabei wie ein visueller Verstärker für besonders emotionale, angespannte oder schmerzhafte Momente.
Die skizzenhaften Schwarzstiftzeichnungen verzichten auf eine glatte oder beschönigende Darstellung. Schraffuren und unterschiedlich starke Konturen verleihen den Bildern etwas Unruhiges und Verletzliches. Besonders die Gesichter und Körperhaltungen transportieren die Gefühle der Figuren sehr unmittelbar. So wird die Verzweiflung der Familie nicht nur beschrieben, sondern auch visuell spürbar.
Lukas Vogls Bilder tragen wesentlich zum Gelingen des Sachbuches bei. Sie unterstützen auf bildlich-emotionaler Ebene die Aussagen, berühren und runden das Buch in seiner Kernbotschaft ab: der Umgang mit Schuld und Verantwortung.
Ohne Zweifel gehört dieses erzählende Sachbuch durch seinen Erzählstil, seinen Themenumgang und Aufbereitung zu den empfehlenswerten Büchern über Schuld, Tat, Folgen, Leid und Verzeihen. Vor allem für den Ethik- oder Religionsunterricht ist das Kinderbuch eine gute Ausgangsbasis, sehr tief in das Thema mit Kindern einzusteigen.
Bibliografische Angaben zum Kinderbuchtipp:
Christine Hubka: Mein Papa ist kein Mörder
Tyrolia Verlag, Innsbruck 2024
ISBN: 978-3702241988
Illustration: Lukas Vogl
Ausstattung: 120 Seiten, Softcover
Preis: 18 €
Vom Verlag empfohlenes Lesealter: ab 12 Jahre, meine Empfehlung ab 10 Jahre
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