Bilderbuch über den Tod: "Ente, Tod und Tulpe" von Wolf Erlbruch

Bilderbuch über den Tod: "Ente, Tod und Tulpe" von Wolf Erlbruch

Diese Kinderbuch-Empfehlung ist eine Rezension der angehenden Erzieherin Denise Eichner, die sich im Rahmen Ihrer Ausbildung intensiv mit dem bekannten Bilderbuch "Ente, Tod und Tulpe" von Wolf Erlbruch befasst hat. Ich freue mich über diese Kinderbuch-Besprechung sehr.

Inhalt:

Intuitiv spürt die Ente, dass ihr Lebensende naht. Der Tod beruhigt sie und lächelt; sie braucht keine Angst zu haben. Er „[…] war schon immer in der Nähe […], nur für den Fall.“ Es entsteht eine innige Freundschaft, die Ente und Tod dazu anregt, über den Tod zu philosophieren.

Als die Ente zu frieren beginnt, wärmt sie der Tod und begleitet sie auf ihre letzte Reise. Auf diese Weise verabschiedet sich der Tod von seiner Freundin, der Ente.

Kritik

Das Buch ist in seiner Gesamtheit durch seine liebevolle Betrachtung für die angegebene Alterspanne sehr geeignet und kann auch über diese hinaus Menschen jeden Alters den Einstieg in die Thematik Trauer, Tod und Anteilnahme erleichtern.

Es gelingt dem Autor, die beängstigende Wirkung des Todes durch zarte Worte in einen tröstlichen Zustand zu verwandeln. Die innige Beziehung zwischen der Ente und dem Tod spendet Zuversicht. Der sprachliche Ausdruck wird auf präzise Worte reduziert. Damit setzt der Autor nicht die Worte selbst, sondern die Handlung hinter ihnen in den Fokus. Indem er den Tod als einfühlsamen Zeitgenosse vorstellt, erfolgen die Berührungspunkte außerordentlich sanft. Er regt dazu an, den Tod als Freund zu betrachten.

Die Illustrationen sind schlicht, markant und eindrücklich. Sie wirken in ihrer Natürlichkeit weder trüb noch beschönigend. Die Darstellungen sind ehrlich und echt und schaffen Raum für neue Betrachtungsweisen.

Unter den Büchern, die mir bisher rund um die Themen Tod und Trauer begegnet sind, ist Wolf Erlbruchs Werk eines der Wertvollsten für mich. Dem Tod wird eine warmherzige Identität verliehen. Er respektiert die Ente mit all ihren Gefühlen, beantwortet geduldig ihre Fragen oder schweigt mit ihr, wenn sie Stille benötigt. Er wehrt sich nicht gegen die Vorstellung des Sterbens, er akzeptiert den Lauf des Lebens und verschönert dadurch ihre letzten Stunden. Die Summe dieser Ereignisse nimmt die Vorstellung, der Tod sei unangenehm und grausam. Er entpuppt sich stattdessen als wahrer Freund, der die Ente bis zum Schluss begleitet. Die minimalistische Anwendung von Sprache und Illustration ist Hauptmerkmal des Buches, verleiht Fragen und Ängsten einen ruhigen Ausdruck.

Während des Trauerns ist es für Betroffene oft schwer, Gedanken und Gefühle in Worte zu fassen. Die gezielten Dialoge setzen genau an diesen Bedürfnissen an. Sie beschönigen nichts. Diese Reduktion verleiht der Geschichte ihre nachhaltige Wirkung. Kernaussage des Buches ist, dass der Tod als natürlicher Bestandteil des Lebens immer an unserer Seite ist. Das Buch ruft Kinder und Erwachsene zur Auseinandersetzung mit der eigenen Endlichkeit auf. Es inspiriert dazu, dem Leben dankbar und wertschätzend zu begegnen. Es bereichert jede Art der Trauerarbeit.

Bibliografische Angaben zur Kinderbuch-Empfehlung:

Wolf Erlbruch: Ente, Tod und Tulpe
Verlag Antje Kunstmann, München 2010
ISBN: 978-3-88897-657-5
Illustration: Wolf Erlbruch
Ausstattung: 32 Seiten, Hardcover
Preis: 9,90 €
Vom Verlag empfohlenes Lesealter: ab 4 Jahre

Pin-Bild: Bilderbuch über Tod & Sterben: "Ente, Tod und Tulpe" von Wolf Erlbruch


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