Geschichtenlieder zum Träumen: "Der Traumzauberbaum" von Monika Ehrhardt & Reinhard Lakomy

Rezension des Hörspiels Der Traumzauberbaum von Monika Ehrhardt und Reinhard Lakomy

Gar nicht so weit hinter der Stadt, über die kleine Brücke, am anderen Ufer des Flüsschens, dort beginnt ein großer, großer Wald. Und wo der Wald sieben Tage tief ist, leuchtet es geheimnisvoll...

Wer 1981 oder eher in der DDR geboren wurde, der kennt den Traumzauberbaum. Das Hörspiel von dem Künstler-Ehepaar Reinhard Lakomy (Komponist) und Monika Ehrhardt (Texterin) war neben Circus Lila und den Liedern von Gerhard Schöne weithin bekannt. Beide haben es geschafft, dass der Traumzauberbaum mit seinen Geschichtenliedern nicht nur die Wendezeit überstand, sondern konnten auch noch weitere lockere "Folgen" produzieren und mit einem Musical durch Deutschland touren. Die Verluste durch das Verschweigen und Vergessen grandioser Perlen der DDR-Kinderliteratur und -kunst ist ein Skandal der Nachwendezeit. Das ist aber ein anderes Thema.

Mit dem obigen Zitat beginnt die Geschichte des Traumzauberbaumes. Mit den Waldkobolden Moosmutzel und Waldwuffel erzählen Lakomy und Ehrhardt eine wunderbare, fantasiereiche, kleine Abenteuergeschichte. Der Traumzauberbaum ist ein besonderer Baum: an ihm wachsen bunte Blätter - honiggelbe, rosa, grüne, orangene, blaue und schwarze. In jedem Blatt steckt ein Geschichtenlied, das mit der Stimmgabel die beiden Waldkobolde anstimmen. Aber Achtung: die dunklen Blätter sind gefährlich, denn in ihnen stecken die Albträume.

Müde vom Erfinden der Geschichtenlieder schläft der Traumzauberbaum ein. Er ermahnt seine beiden Kobolde, kein Unsinn anzufangen. Jaja, versprechen sie es ihm. Hinter einem blauen Blatt steckt ein Regenlied - doch Regen mögen Waldwuffel und Moosmutzel nicht. Da beginnt das Drama und Abenteuer....

1980 erschien der Traumzauberbaum - damals als LP mit einer tollen Covergestaltung, die das Markenzeichen bis heute ist. Abwechselnd wird in der Rahmengeschichte um den Traumzauberbaum, Moosmutzel und Waldwuffel kleine Geschichten als Lieder eingebunden - mal völlig alleinstehend, mal die Rahmengeschichte aufgreifend oder weitertreibend. Die Geschichtenlieder sind in zweifacher Hinsicht besonders. Zum einen sind die gereimten Texte von Monika Ehrhardt kongenial wie die vom bunten Eierbecher ("Warum siehst du nie ein Ei, ja, was wär denn schon dabei? Dich auch mal zu benutzen...") oder dem Klopsemops: voller Poesie, Wortgefühl, Reime, Lyrik und eben Geschichten. Sie bleibt nah bei den Kindern und gleichzeitig gibt sie den Liedern ein versteckte, tiefere Botschaft mit. Mal leicht für Kinder zu entschlüsseln, mal eher für Erwachsene. 

Für die Musik war ihr Ehemann Reinhard Lakomy zuständig, der schon frühzeitig professionelle Musik machte und einer der ersten Musiker in der DDR war, der sich mit elektronischer Musik befasste als auch komponierte und spielte. Die ganze Klaviatur der Musikstile bringt er in den Liedern unter: mal ein Walzer, dort ein fetziges Rock `n` roll, hier ein schauriges, da ein fröhliches Lied. Selbst singt er sie (sein Magdeburger Dialekt kommt durch) oder Veronika Fischer und Angelika Mann. In allen Liedern steckt absolute Qualität in der Komposition, in der Aufführung. Wohltuend sind die Lieder, die Kinder und Erwachsene auch in der 20. Wiederholung gerne hören.

Mit "Der Traumzauberbaum", den Kinder von 2, 3 Jahren bis 10, 11 Jahren gerne hören, gelang Monika Ehrhardt und Reinhard Lakomy ein fantasiereiches, poetisches, verzauberndes Hörspiel-Klassiker, der nach über 30 Jahren immer noch die neuen Kindergenerationen in ihren Bann zieht. Es wäre schön, wenn der Traumzauberbaum seine Blätter auch bis an den Bodensee oder Nordfriesland bringen könnte, dass dort die Kinder im Traum ihre Geschichten erleben.

Mehr zum Traumzauberbaum gibt es auf der Webseite zu finden: https://www.traumzauberbaum.de/

Bibliografische Angaben zur Hörspiel-Rezension:

Monika Ehrhardt/Reinhard Lakomy: Der Traumzauberbaum
Sony Music Family Entertainment
Text: Monika Ehrhardt-Lakomy
Komposition: Reinhard Lakomy
Sprecher: Gerti Eichler, Helmut Müller-Lankow, Genia Lapuhs
Gesang: Veronika Fischer, Reinhard Lakomy, Helmut Müller-Lankow, Angelika Mann
Spielzeit: 43:57 min

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