Ab 7 Jahre: Elfriede Philipp - Ein Himmel aus Papier

Foto: W. Bönisch
Inhalt:
Seit Friederikes beste Freundin weggezogen ist, ist das neunjährige Mädchen recht alleine. Denn ihre Schulkameraden kommen wegen ihres behinderten Bruders nicht zu ihr nach Hause zum Spielen. Ihre Mutter muß immer auf ihn aufpassen. Da kommt das Angebot der netten Optikern ihr ganz recht. Sie möchte ihr eine Brieffreundin vermitteln. Aber was ist mit dem neuen Mädchen in der Schule, das neben ihr sitzt und sie gerne als Freundin hätte? Wie soll sich Friederike entscheiden? Und dann muß sie auch noch den alten Antiquitätenladen in ihrem Haus retten. Turbulente, ereignisreiche Zeiten brechen für Friederike an. Wird sich alles fügen?


Meinung:
Letztes Jahr erschien dieser Roman für Kinder im kleinen Radeberger Buchverlag DeBehr. Elfriede Philipp wagt sich darin an verschiedene Themenstoffe, die sie miteinander zu verflechten versucht. Da geht es um Freundschaft, um Einsamkeit, um Geschwister- und Elterliebe, wenn eines der Kinder behindert ist, um den Verlust eines Kindes, um Konkurrenz zwischen Kindern und um die Akzeptanz von Kinderideen bei den Erwachsenen. Schon eine geringere Zahl an Themen hätte für ein Kinderbuch gereicht. Alle diese Motive miteinander zu einer guten, logischen Erzählung zu verbinden, bedarf hohes erzählerisches Können. Leider gelingt es Elfriede Philipp nicht immer, denn manche Figur bleibt sehr einseitig, wie beispielsweise die Mutter von Friederike, auch wenn insgesamt die Geschichte nicht allzu schlecht erzählt ist.
Foto: W. Bönisch
Auffällig und störend sind die Brüche in den Erzählungen. Sprunghaft ist manchmal die Handlung. Die Übergänge zwischen den einzelnen Szenen sind nicht immer gelungen. Der Leser bleibt öfters mal hängen. Ambivalent ist auch die Szenengestaltung an sich: wahrscheinlich spielt der Roman in der heutigen Zeit, denn Computer und Euro werden erwähnt. Konträr zur Handlungszeit stehen aber die Namen der Kinder wie Uta oder Rita, die heutige Kinder im Alter von 9, 10 Jahren nicht tragen. Ebenso konträr ist die angedeutete Kleidung von Friederikes Mutter, die mit ihren weißen Blusen an ältere Zeiten erinnert. An solchen Details blitzen immer wieder den Leser verwirrende Brüche auf, Uneinheitlichkeiten. Ein besseres Lektorat hätte da vieles ausmerzen können, und das Bild insgesamt stimmiger geformt.
Andererseits beeindruckt das Buch durch seine starke Emotionalität, sein Engagement der Autorin, ihrer Liebe zu den Figuren und zum Plot. Genau damit wirkt es noch lange im Leser nach, bleibt ihm im Gedächtnis haften. Auf jeden Fall ist das empfohlene Lesealter ab 7 Jahre vom Verlag für fast 300 Seiten und auch vom Erzählstil und Inhalt her zu früh angesetzt. Ich würde es eher ab 10, 11 Jahre empfehlen. Kinder haben dann schon mehr Interesse und Verständnis für die Geschichte, die Handlung und auch die Ausdauer, diesen langen Roman zu lesen. Eine letzte kritische Anmerkung: die Satzgestaltung finde ich nur bedingt professionell. Zu groß ist die Schriftart und der Schriftgrad gewählt. Es fehlt an Geschmeidigkeit, die Ausstattung wirkt laienhaft. Ein anderes Layout täte auch dem Umfang des Buches gut.

Fazit: ambivalent, aber nachhaltig ist der Eindruck dieses Werkes. Aufgrund der vielen Mängel kann ich es aber nur mittelmäßig bewerten. Wer es dennoch liest, begeht keinen Fehler.

Elfriede Philipp: Ein Himmel aus Papier
DeBehr, Radeberg 2012
ISBN: 978-3941758957
Ausstattung: 296 Seiten, Paperback
Preis: 12,95 €
Vom Verlag empfohlenes Lesealter: ab 7 Jahre, selbst empfehle ich es ab 10 Jahre

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