Ab 10 Jahre. Brigitte Endres - Als Adolf in die Falle ging

Foto: W. Bönisch
Inhalt:
Sommer 1939. Heinz ist begeisterter Pimpf. Die Sonnenwendfeier, die gemeinsame Stunden mit den Kameraden, das Singen der Lieder wirken sehr anziehend auf. Lehrer und Jungvolkführer versuchen alles, ihn vom Nationalsozialismus zu überzeugen und ihn in einen glühenden Anhänger zu verwandeln. Doch da ist sein innig geliebter Großvater, der überhaupts nichts davon hält und Heinz zunehmend zweifeln läßt. Und da ist die kleine Nachbarstocher Mariechen, die behindert zurückgeblieben ist, und durch die NS-Euthanasiepläne in großer Gefahr ist. Am Ende des Sommers bricht der 2. Weltkrieg aus. Was wird aus Mariechen? Wie positioniert sich Heinz?


Meinung:
Um den Ausbruch des 2. Weltkrieges am 1. September 1939 siedelt Brigitte Endres ihr Kinderroman "Als Adolf in die Falle ging", als E-Book 2015 im Libelli-Verlag erschienen, an. Hauptfigur ist der Junge Heinz, der zu Beginn der Geschichte begeisterter Pimpf ist. Die Nationalsozialisten haben ihr Staatssystem vollkommen eingerichtet. Alles ist gleichgeschaltet: Schule, Presse und Rundfunk, die Freizeit bei der HJ. Lehrer und Jungvolkführer wollen Heinz und seine Freunde von der nationalsozialistischen Ideologie überzeugen. Zunächst ist Heinz begeistert. Der Zusammenhalt beim Jungvolk, die Sonnenwendfeier beeindrucken ihn sehr. Unbedingt will er dort dazugehören. Aber da ist auch sein innig geliebter Großvater, der überhaupt nichts von den Nationalsozialisten hält. Er, der den 1. Weltkrieg erlebt hat, sieht die aufziehende Katastrophe deutlich. Auch seine ältere Schwester Irma ist äußerst kritisch gegenüber das System und zieht Heinz ständig mit seinen Jungvolkerlebnissen spöttisch auf. Nach den Treffen mit dem Opa zweifelt Heinz, aber sobald er wieder ein Treffen mit dem Jungvolk hat, ist er begeisterter Anhänger. Heinz ist völlig zerrissen. Die Zweifel mehren sich, als Heinz vom Schicksal der geistig behinderten Nachbarstochter Mariechen erfährt. Das zurückgebliebene Kind ist wegen der NS-Euthanasiepläne in Lebensgefahr. Durch Zufall erfährt Irma, die in einem Krankenhaus arbeitet, davon. Was wird aus Mariechen? Wie wird sich Heinz positionieren? Denn am 1. September 1939 bricht der 2. Weltkrieg aus....
Foto: W. Bönisch
Ganz stark ist Endres' Kinderroman über den Nationalsozialismus 1939. Sie zeichnet ein lebensnahes Bild einer Kindheit im Nationalsozialismus. Dabei beschränkt sie sich nicht auf schwarz-weiß Gegensätze, sondern zeichnet eindrücklich die Graustufen. Heinz wächst in einer normalen Arbeiterfamilie auf. Politisch sind die Eltern zurückhaltend. Sie sind keine Anhänger des Nationalsozialismus. Sie versuchen ihre Lebenslücke im System zu suchen, müssen Kompromisse eingehen. Zuhause, in den eigenen vier Wänden dürfen die Kinder relativ frei reden. Irma äußert sich immer kritisch, Heinz als jüngerer Bruder ist stark von seinen Erlebnissen im Jungvolk beeindruckt. Streit und Konflikte bleiben nicht aus. Und dennoch bleibt es privat. Mit einer kurzen Nebenbemerkung zeigt Endres auf, wie es hätte auch anders sein können. So zeigt sie den Lesern, wie behütet Heinz aufwächst.
Foto: W. Bönisch
Das emotionale Dilemma Heinz' zwischen Begeisterung und Zweifel treibt die Autorin Stück für Stück auf den Höhepunkt. Eindrücklich schildert sie die beeindruckende Stimmung beim Sonnenwendfeuer, die Heinz als Pimpf erlebt. Gleichzeitig dienen die Gespräche mit dem Großvater als korrigierendes Gegengewicht, die gleichzeitig Heinz in Zweifel geraten läßt. Auch hier arbeitet sie die Zwischentöne gut aus. Wie läßt sich ein Leben in einer Diktatur einrichten, ohne die eigene Familie, Freunde oder sich zu gefärden? Wie weit darf man gehen? Wem kann man vertrauen? All diese Fragen berührt Endres mit ihrer Geschichte realitätsnah.
Der große Vorteil von "Als Adolf in die Falle ging" ist die lebensnahe Gestaltung aus Sicht des Jungen Heinz. Hier wird kein pädagogischer Zeigefinger gehoben, sondern die Erzählung alleine wirkt - und zwar lange an. Sehr gut fängt Endres die Stimmung ein, gibt die offizielle Sprache in Schule und HJ wider, zeigt die Privatäußerungen in der Familie. Da stimmen die Begriffe, die Schilderungen. Das Buch ist eben auch bestens recherchiert. Unbekannte Wörter, historische Personen und Ereignisse erläutert sie kurz und bündig in einem Glossar im Anhang. Hier können die Leser nachschlagen und erste wichtige Informationen bekommen. Schön wäre es, wenn bei einer nächsten Auflage das Glossar alphabetisch geordnet werden würde. Da könnte man unabhängig vom Text schnell die Begriffe noch einmal nachschlagen. Der Sprachstil ist so lebendig, als sei man hautnah dabei. Man fühlt mit Heinz mit, spürt seine Begeisterung, die aufkommenden Zweifel.
"Als Adolf in die Falle ging" ist ein starker, bestens recherchierter Kinderroman über eine Kindheit kurz vor dem Ausbruch des 2. Weltkrieges zwischen Begeisterung und Zweifel. Die lebensnahe Erzählung mit den vielen Zwischentönen wird die Kinder zum Lesen begeistern und ihnen viel zum Nachdenken über das Leben in einer Diktatur geben. Dies zeichnet das Buch besonders aus und macht es auch zu einer wichtigen Schullektüre! Absolut zu empfehlen!
Brigitte Endres: Als Adolf in die Falle ging
Libelli-Verlag, Fuldatal 2015
Ausstattung: E-Book, ca. 129 Seiten, 512 KB
Format: Kindle Edition
Preis: 3,99 €
Vom Verlag empfohlenes Lesealter: ab 10 Jahre 

Das Buch solte unbedingt in der Schule gelesen werden. Glücklicherweise gibt es Klassensätze als Taschenbuch, die Lehrer bestellen können. Darüber hinaus bietet Brigitte Endres auch ein Lehrerhandbuch mit ganz viel Anregungen zur Gestaltung und Aufarbeitung des Unterrichtsstoffes. Beides ist über die Homepage der Autorin beziehbar.


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